Band 
Dritter Teil.
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poesievoller Lebendigkeit. Alles lebt und blüht darin. Oft reißt uns eine dra imatische Kraft mit fort. Und ein Wunderding zum Kopfsehütteln ist, wie einMensch, in dem keine kriegerische Ader lebte, die Lobositzersfchlacht beschrie-ben hat “

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A. In der Garnison.

Es war den 3. April 1756, als wir zu Berlin einmarschierten undich vergebens nach meinem Herrn fragte, der doch, wie ich nachwärtserfuhr, schon acht Tage vor uns angelangt war. [ManJ transportierte michin die Krausenstraße, in Friedrichsstadt, wies mir ein Quartier an undverließ mich mit den Worten: «Da Mußier, bleib’ Er bis auf fernereOrder!» Der Henker! dacht’ ich, was soll das? Ist ja nicht einmal einWirtshaus! Wie ich so staunte, kam ein Soldat, Christian Zittemann,und nahm mich mit auf seine Stube, wo sich schon zwei andere Hartis-söhne* befanden. Nun ging’s an ein Wundern und Ansfragen: wer ich sei,woher ich komme und dergleichen. Noch könnt’ ich ihre Sprache nichtrecht verstehen. Ich antwortete kurz, ich komme aus der Schweiz, undsei Seiner Exzellenz des Herrn Leutnant Markoni Lakai; die Sergeantenhätten mich hierher gewiesen, ich möchte aber lieber wissen, ob meinHerr schon in Berlin angekommen sei und wo er wohne. Hier fingendie Kerls ein Gelächter an, daß ich hätte weinen mögen, und keinerwollte das Geringste von einer solchen Exzellenz wissen. Mittlerweiletrug man eine stockdicke Erbsenkost auf. Ich aß mit wenigem Appetit.Wir waren kaum fertig, als ein alter hagerer Kerl ins Zimmer trat,dem ich doch bald ansah, daß er mehr als Gemeiner sein müsse. Eswar ein Feldweibel. Er hatte eine Soldatenmontnr auf dem Arm, die erüber den Tisch ausspreitete, legte ein Sechsgroschenstiick dazu und sagte:«Das ist für dich, mein Sohn! Gleich werd’ ich dir noch ein Kommiß-brot bringen.» «Was? für mich?» versetzt’ ich, «von wem, wozu?»«Ei, deine Montierung und Traktement, Bursche! Was gilt’s da Fragens?Bist ja ein Bekrute». «Wie, was? Ttekrute?» erwidert’ ich. «BehüteGott, da ist mir nie kein Sinn daran kommen. Nein, in meinem Lebennicht. Markonis Bedienter bin ich. So hab’ ich gedungen und anders nicht.Da wird mir kein Mensch anders sagen können!» « Und ich sag' dir,

du bist Soldat, Kerl! Ich stell - dir dafür. Da hilft jetzt alles nichts».Ich: «Ach! wenn nur mein Herr Markoni da wäre.» Er: « Den wirstdu so bald nicht zu sehen kriegen. Wirst doch lieber wollen unseresKönigs Diener sein, als seines Leutnants?» Damit ging er weg. «UmGottes willen, Herr Zittemann! » fuhr ich fort, «was soll das werden?»«Nichts, Herr!» antwortete dieser, «als daß Er, wie ich und die an-dern Herren da, Soldat und wir folglich alle Brüder sind, und Ihm allesWidersetzen nichts hilft, als daß man Ihn auf Wasser und Brot nachder Hauptwache führt, kreuzweis schließt und Ihn fuchtelt, daß Ihm dieRippen krachen, bis Er kontent ist!» Ich: «Das wär', beim Sacker! un-verschämt, gottlos». Er: «Glaub’ Er mir’s auf mein Wort, anders ist’s nicht

1 Soldaten, Söhne des Mars.