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e’n andern Dreier Snppe und nehmen wieder ein Stück Kommiß. DesAbends um zwei Pfennig Konvent 1 oder Dünnbier und abermals Kom-miß». «Aber das ist, beim Strahl, ein verdammtes Leben», versetzt’ ich,und Er: «Ja! so kommt man aus und anders nicht. Ein Soldat muß daslernen; denn es. braucht noch viel andere Ware: Kreide, Puder, Schuh-wachs, Öl, Schmirgel, Seife und was der hundert Siebensachen mehr sind.»Ich: «Und das muß einer alles von den sechs Groschen bezahlen?» Er:«Ja! und noch viel mehr, wie zum Beispiel den Lohn für die Wäsche, fürdas Gewehrputzen und so fort, wenn Er solche Dinge nicht selber kann.»
Damit gingen wir in unser Quartier, und ich machte alles zurecht,so gut ich konnte und mochte.
Die erste Woche hatt’ ich noch Vakanz. Ich ging in der Stadtherum, auf alle Exerzierplätze, sah, wie die Offiziere ihre Soldatenmusterten und prügelten, daß mir schon zum voraus der Angstschweißvon der Stirne troff. Ich bat daher Zittemann, mir zu Hause die Hand-griffe zu zeigen. «Die wirst du wohl lernen», sagte er, «aber auf dieGeschwindigkeit kümmt’s an. Da geht's dir wie der Blitz!» Indessenwar er so gut, mir wirklich alles zu weisen, wie ich das Gewehr reinhalten, die Montur anpressen, mich auf Soldatenmanier frisieren sollte.Nach (,'rans Rat verkaufte ich meine Stiefel und kaufte dafür ein höl-zernes Kästchen für meine Wäsche. Im Quartier iibte ich mich stets imExerzieren, las im Hallischen Gesangbuch, oder betete. Dann spaziert’ich etwa an die Spree und sah da hundert Soldatenhände sich mit Aus-und Einladen der Kaufmannswaren beschäftigen, oder auf die Zimmer-plätze, da steckte wieder alles voll arbeitender Kriegmänner. Ein ander-mal ln. die Kasernen, da fand ich überall auch dergleichen, die hunderter-lei Hantierungen trieben-, von Kunstwerken an bis zum Spinnrocken.Kam ich auf die Hauptwache, so gab’s deren, die spielten, soffen undhaselierten 2 , andre, die ruhig ihr Pfeifchen schmauchten und disknrier-ten; etwa auch einer in einem erbaulichen Buche las und's den andernerklärte. In den Garküchen und Bierbrauereien ging s ebenso her. Kurz,in Berlin hat’s unter d,em Militär, wie, denk’ ich freilich, in großenStaaten überall, Leute ans allen vier Weltteilen, von allen Nationen undReligionen, von allen Charakteren und vou jedem Berufe, womit einernoch nebenzn sein Stiicklein Brot gewinnen kann. Das dachte auch ichzu verdienen, wemi ich nur erst recht exerzieren könnte. Und wennalles fehlen sollte, fand ich einen elenden Trost in dem Gedanken: Geht'seinmal zu Felde, so schont das Blei jene Glückskinder so wenig, alsdich armen Hudler! — Also bist du so gut wie sie.
Die zweite Woche mußte ich mich schon alle Tage auf dem Parade-platz stellen, wo icli unvermutet drei meiner Landsleute, Schürer, Bach-mann und Gästli fand, die sich zumal alle mit mir unterm gleichen Re-gimente Itzenblitz, die beiden ersten vollends unter der gleichen Kom-pagnie- Liideritz befanden. Da sollt’ ich vor allen Dingen unter einemmürrischen Korporal mit einer schiefen Nase, marschieren lernen. Den
1 Ursprünglich: im Kloster gebrautes Bier.
1 Possen machen, toben, schäckern.