Band 
Dritter Teil.
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Kerl mocht’ ich für den Tod nicht vertragen; wenn er mich gar aufdie Füße klopfte, schoß mir das Blut in den Gipfel. Dnter seinen Händenhätt’ ich mein Tage nichts begreifen können. Dies bemerkte einst Hevel,der mit seinen Leuten auf dem gleichen Platz manöverierte, tauschtemich gegen einen andern aus und nahm mich unter sein Peloton 1 * * . Daswar mir eine Herzensfreude; jetzt kapiert’ ich in einer Stunde mehr alssonst in zehn Tagen. Icu verkaufte Flinte, Pallasch* und die samteneMütze, auch meinen Tressenhut, den grünen Frack a , sowie alles Übrige,und ließ mir nichts mangeln, solang ich was anzugreifen hatte. Schärerwar eben so arm wie ich, allein er bekam ein paar Groschen Zulageund doppelte Portion Brot. Der Major hielt ein gut Stück mehr auf ihnals auf mich. Indessen waren wir Herzensbrüder; solang einer was zubrechen hatte, konnte der andre mitbeißen. Bachmann hingegen warein filziger Kerl und harmonierte nie mit uns; doch schien immer dieStunde ein Tag lang, wo wir nicht beisammen sein konnten. Sobald dasExerzieren vorbei war, flogen wir miteinander in Sehottmanns Keller.,tranken unsern Krug Ruhiner- oder Gottwitzerbier 4 , schmauchten einPfeifchen und trillerten ein Schweizerlied. Immer horchten uns da dieBrandenburger und Pommeraner mit Lust*zu. Etliche Herren sogar ließenuns oft expreß in eine Garküche rufen, ihnen den Kuhreihen zu singen.Meist bestand der Spielerlohn bloß in einer schmutzigen Suppe; aber ipeiner solchen Lage nimmt man mit noch weniger vorlieb.

Berlin ist der größte Ort in der Welt, den ich gesehen, und doch .bin ich bei weitem nie ganz darin herumgekommen. Wir drei Schweizermachten zwar oft den Anschlag zu einer solchen Reise; aber bald ge-bracht uns an Zeit, bald an Geld, oder wir waren von Strapazen somarode, daß wir uns lieber der Länge nach hinlegten. Von der StadtBerlin sagen zwar viele, sie bestehe aus sieben Städten; unsereinem hatman aber nnr drei genannt: Berlin, Neustadt und Friedrichsstadt. Alledrei sind in der Bauart verschieden. In Berlin sind die Häuser so hochwie in den Reichsstädten; aber die Gassen nicht so breit, wie in Neu-und Friedrichsstadt, wo die Häuser wieder niedriger, aber egaler ge-baut sind. Da sehen auch die kleinsten, oft von sehr armen Leuten be-wohnt, wenigstens sauber und nett aus. An vielen Orten gibt es unge-heuer große, leere Plätze, die teils zum Exerzieren und zur Parade,teils zu gar nichts gebraucht werden; ferner Äcker, Gärten, Alleen,alles in die Stadt eingeschlossen. Vorzüglich oft gingen wir auf dielange Brücke, auf deren Mitte ein alter Markgraf von Brandenburg 5 ,zu Pferd in Lebensgröße, von Erz gegossen steht, und etliche Enaks-söhne 0 mit krausen Haaren zu seinen Füßen gefesselt sitzen, dann derSpree nach, auf den Weidendamm, wo's gar lustig ist, dann ins Laza-rett, um das traurigste Spektakel unter der Sonne zu sehen, bei dem

1 Rotte. — 2 Säbel. — 3 Also die ganze Dienerausstattung, die ihm

Markoni verschafft hatte. — 4 Bier von Ruppin oder Kottbus. — 5 Der Große

Kurfürst. — 9 Alttestamentliche Bezeichnung eines nach der Sage von Josua.

besiegten Riesenvolks. Hier Kriegsgefangene.