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Klavizimbeldeckel; das war unsere Rutschbahn, auf der wir dann hinab-glitten.
Mit dem Frühjahr 1745 begannen die Vorbereitungen für die Feiermeiner Hochzeit. Ich hörte nur mit großem Widerwillen den Tag nennen,und es machte mir keine Freude, wenn man davon sprach. Der Großfürst und ich mußten das denkbar regelmäßigste Leben führen; wirdinierten um zwölf, soupierten um sechs, und um zehn war alles aus.Der Großfürst besuchte mich manchmal abends auf meinem Zimmer;aber sehr viel lag ihm nicht daran, zu mir zu kommen. Er spielte lieberbei sich mit Puppen, obwohl er damals schon über siebzehn Jahre altwar. Ich war sechzehn, er war also ein Jahr und drei Monate älterals ich. Ich muß sagen, sein Mangel au Aufmerksamkeit und seine Kälte,sozusagen am Vorabend unserer Hochzeit, nahmen mich nicht gerade zuseinen Gunsten ein. Und je näher der Zeitpunkt herankam, desto wenigerkonnte ich mich der Einsicht verschließen, daß meine Ehe sehr unglück-lich werden könne. Aber ich besaß zu viel Stolz und zu viel Seelenwürde,um mich zu beklagen oder die Welt auch nur ahnen zu lassen, daß ichmich nicht geliebt glaubte. Auch hatte der Großfürst eine etwas freieArt des Verkehrs mit den Hofdamen der Kaiserin, die mir mißfiel; aberich hütete mich, darüber zu sprechen, und niemand ahnte auch nurmeine innersten Empfindungen. Ich versuchte mich eben dadurch zu zer-streuen, daß ich mit meinen Mädchen im Zimmer herumtollte. Trotzdemwurde ich immer trauriger, und sehr oft mußte ich weinen, ohne rechtzu wissen weshalb. Immerhin verbarg ich meine Tränen so gut es ging;aber meine Frauen, die stets um mich waren, mußten sie natürlich be-merken und bemühten sich, mich aufzuheitern.
Die Hochzeitsfeierlichkeiten hatten zehn Tage gedauert. — Ichhätte gewiß meinen jungen Gemahl geliebt, wenn er nur liebenswürdighätte sein wollen oder können. Aber ich kam schon in den ersten Tagenunserer Ehe zu einem bösen Schluß über ihn. Ich sagte mir: «Wenndu diesen Menschen liebst, wirst du das unglücklichste Geschöpf aufGottes Erdboden. Dein inneres Wesen würde Erwiderung verlangen;der Mensch beachtet dich aber ja kaum! Er spricht fast nur von Puppen,und wenig fehlt daran, daß er jeder andern Frau mehr Aufmerksamkeiterweist, als dir. Du bist zu stolz, um deswegen Lärm zu schlagen, alsomit Zärtlichkeiten diesem Herrn gegenüber nehmen Sie sich gefälligstzusammen! Denken Sie an sich selbst, Madame!» Dieser erste Eindruck,den so mein wachsweiches Herz empfing, blieb mir; und diese Erwägungging mir niemals aus dem Kopf. Aber ich hütete mich natürlich, einWort verlauten zu lassen über meinen festen Entschluß, niemals jemandhingehend zu lieben, der mir nicht mit einer uneingeschränkten Erwiderunglohnen würde.
Wir lebten sow’eit ganz gut, ich und der Großfürst. Als man ihnnötigte, alle Holsteiner zu verabschieden, wandte er sich mir zu, weiler jetzt niemand mehr sein Herz ausschiitten konnte. Er kam oft zumir in mein Zimmer. Er fühlte, daß ich der einzige Mensch war, mitdem er sprechen könnte, ohne daß man ihm jedes unbedeutende Wortals Verbrechen auslegte. Ich verstand seine Lage, und er tat mir leid.