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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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Das Christentum.

5. Ckrtttentum und 3slam.

Universale (übernationale) Religionen.

Religiös schöpferisch nur der Orient.

Die politischen und kulturellen Ideale der abendländischen Antike über-wuchert durch den vom Orient kommenden mystisch-religiösen Drang nach Er-lösung und Heilsgewinnung. Persönliche Frömmigkeit statt staatlicher Zeremonienund Kulte.

Universaler, nicht volksgebundener, Monotheismus durchdringt s. c. 200v. Chr. vom Orient her, durch Mission und Propaganda verbreitet, den Westenin verschiedenster Gestalt: ägyptische, syrische, kleinasiatische Kulte und Mysterienund vor allem das Judentum mit seinem Messiasglauben und dem kultlosenGottesdienst der Synagoge. Jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie: Philonaus Alexandria (50 n. Chr.j. Der jüdische Priesterstaat selbst mit Jerusalem70 n. Chr. vernichtet, das jüdische Volk entwurzelt.

In Jnnerasien: Umwandlung des indischen Buddhismus zu einer Kultus-Religion (Mahayana); in dieser Form verbreitet er sich in Ostasien.

Stiftung des Christentums als einer messianischen Erlösungsreligion durchJesus (4 v.35 n. Chr.) und Paulus ('s- 64 n. Chr.). Kernpunkt der ur-sprünglichen christlichen Lehre: Erwerbung der Gotteskindschaft durch innereLäuterung und Wandlung. Vgl. Buddhas innerliche Selbsterlösung.

1. Urchristliche demokratische Gemeinschaften mit allgemeinem Priestertum.

2. Im 2. Jhdt. hierarchische Entwicklung: Ausscheidung einesKlerus" (Aus-

erwählte, Gegensatz Laien-Volk), der Bischöfe mit ihren Gehilfen. DasAbendmahl wird unter orientalischem Einfluß zu einem Mysterium, das ver-waltet die Priesterschaft und nimmt so die ausschließliche Vermittlung mitdem Göttlichen in Anspruch.

S. Ende 2. Jhdt. Synoden der Bischöfe einer Provinz, s. c. 300 unter Leitungder Metropolitanbischöfe.

3. Gleichzeitig (150300) entsteht eine christliche Theologie unter bestimmendem

Einfluß hellenisch-alexandrinischer spekulativer Philosophie, auch stoischerEthik. Die ersten großen Kirchenlehrer: lateinische Tertullian ('s- c. 220)und Cyprian ('s- 258) in Karthago, griechische Clemens (f c. 220) und Ori-genes (f 254) in Alexandria.

Die letzte heidnisch-hellenische Geistesschöpfung, die neuplatonische Religionsphilo-sophie s. c. 200 (Plotinos -f- 270);der christlich-parsische Manichäismus (Manes 's 240).

Verfolgung des Christentums und der erstarkenden kirchlichen Organisation durchdie römische Staatsgewalt, die die Verehrung des kaiserlichen Genius alsStaatsreligion fordert, besonders 250311. Vorher vereinzeltes Ein-schreiten gegen christliche Gemeinden und Zusammenkünfte. Duldung seitdem Mailänder Edikt Konstantins 313.