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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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Das Papsttum im 9.12. Jhdt.

Salerno für Medizin, PariS für Theologie, Padua und Bologna für römischesRecht; erste Staatsuniversität zu Neapel 1224.

Städtische Schulen s. 13. Jhdt., noch ganz unter geistlichem Einfluß.

Im 14. und 15. Jhdt. ist die bürgerliche Kultur führend.

9. Die eigentümlichen Erscheinungen des abend-ländischen Illittelalters.

Die päpstliche Kirche.

c. 850. Die pseudo-isidorischen Dekretalen (Fälschung) behaupten Herrschaftdes Papstes über die Kirche, Unabhängigkeit dieser von weltlichen Gewalten;Papst Nikolaus I. (858867) vertritt die Überordnung der Kirche über den Staat.

Die fränkische Staatskirche nach Zerfall des Reiches in Unterordnung unterRom, das abendländische Christentum durch das Papsttum zusammengefaßt.Dieses danach lange in der Hand des römischen Adels, Tiefstand.

9621056. Das Papsttum unter der Schutzherrschast der deutschen Könige,von Otto I. bis Heinrich III. die die Kirche beherrschen.

Dennoch die Kirche als einzige geistige Macht und Kulturträgertn, mitEinheitssprache und Schriftkunde, mit einheitlicher Organisation stärkste Machtin einer wirtschaftlich unentwickelten, politisch zerrissenen, analphabetischen Welt.Stütze der Staatsgewalten wider die feudale Anarchie (Gottesfrieden s. 10. Jhdt.).

Nach 900 Reform des kirchlichen und sittlichen Lebens durch das Mönchtum,besonders von Cluny (gegr. 910) aus. Mit dem ersten deutschen Papst, Gregor V.,996 auch in Rom eingeführt, zur Herrschaft gelangt unter Kaiser Heinrich III. 1046.

S. 1050 Einführung des mönchischen Cölibats für die Weltgeistltchkeit,Kampf gegen weltliche Einflüsse bei Verleihung geistlicher Ämter (Simonie undInvestitur), gegen Unabhängigkeit der bischöflichen Aristokratie. Papstwahl 1059dem römischen Adel und dem deutschen König entzogen, den römischen Kardinal-bischöfen übertragen. Der Papst Lehnsherr der süditalischen Normannen.

Der toskanische Mönch Hildebrand als Gregor VII (10731085) kräftigsterReformpapst, Begründer der päpstlichen Universalmonarchie. 1076 offener Kampfmit dem deutschen König Heinrich IV. um die Investitur, 1077 dessen Büßgangnach Canoffa; dagegen 1111 Demütigung des Papstes Paschalis ll. durch Heinrich V.

Nach wechselvollen Kämpfen, in denen die deutschen Fürsten verhängnisvolleingreifen, die Massen durch geistliche Agitation bearbeitet werden, Beendigungdes Jnvestiturstreits durch das Wormjer Konkordat 1122, erste vertragliche Rege-lung zwischen Kirche und Staat: die geistlichen Fürsten in Deutschland bleibenLehnsträger des Reiches und Stützen der Königsmacht.

Nach 1050 Ausbildung einer abendländischen Theologie, der ScholastikHauptsitz Paris anderseits Aufkommen sektiererischer Strömungen: Katharer= Ketzer, vom Orient her über Bulgarien, auch als Albigenser bezeichnet,Waldenser s. 1177.