Buch 
Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
Entstehung
Seite
53
JPEG-Download
 

Die deutschen Territorien seit dem 12. Jhdt.

53

Arpaden in Ungarn und Siebenbürgen. Deutsche Ritterorden unterwarfen im13. Jhdt. die litauisch-lettischen Lande Livland, Kurland und Preußen.

Dies alles bedeutete zugleich einen Sieg der höheren Kultur; immerhinblieb das nordöstliche Kolvnisationsgcbiet kulturell hinter Alt-Deutschland imRückstand.

Dieser deutschen Ausbreitung nach Osten entspricht die der Franzosen aufder Pyrenänenhalbinsel Katalanen sind Provencalen und nach dem Morgen-lande, der Italiener im Mittel- und Schwarzen Meer, der Engländer nach Wales,Irland, Nieder-Schottland, der Schweden nach Finnland, der Russen von Kiewnach Nordosten in das weite finnische Gebiet, wo auch Moskau entstand (12. Jhdt.).

Bildung der deutschen Staaten.

Von den alten Stammesherzogtümern erhielt sich nur Bayern, 1070 unterWelsen, 1180 unter Wittelsbachern, in seiner Art, d. h. mit Lehnshoheit über dieGrafen, doch wesentlich verkleinert; 976 war Körnten als selbständiges Herzog-tum abgezweigt, später die Mark Nordgau, 1156 die Ostmark als HerzogtumÖsterreich unter den Babenbergern 0j- 1246). Von Körnten 1035 die späterSteter genannte Mark abgetrennt, 1180 Herzogtum.

Von Sachsen wurde 1142 die Markgrafschaft des Askaniers Albrechtsdes Bären, später Brandenburg, abgetrennt; seit 1180 ist die herzoglicheWürde von Sachsen auf kleine Teile im Osten (Wittcnberg und Lauenburg) be-schränkt, unter Askaniern, s. 1423 den Wettincrn von Meißen; die Herzogsgewaltin Westfalen kam an Kurköln, die übrigen Fürsten und Grafen wurden reichs-unmittelbar.

Die Herzogswürde von Franken bestand schon seit Konrad II. nicht mehr;dort neben großen geistlichen Fürstentümern die 1155 begründete Pfalzgrafschaftbei Rhein, s. 1214 auch unter Wittelsbachern.

Lothringen schon im 10. Jhdt. zerteilt, es blieben zwei Nestherzogtümer:(Ober-)Lothringen, s. 1431 unter Hans Anjou, und Nieder-Lothringen, dessenHerzogswürbe 1190 auf Brabant überging.

Schwaben löste sich mit dem Zerfall des staufischen Hauses in sehr zahl-reiche reichsunmittelbare Gebiete auf.

Mark Meißen, s. 1089 unter Wettinern, s. Konrad I. (1156) erblich.

Landgrafschaft Thüringen (s. 1130) mit Pfalzgrafschaft Sachsen, 1247 anWettiner; der westliche Teil, als Landgrafschaft Hessen 1264 an eine Linievon Brabant.

Das Herzogtum Braunschweig und Lüneburg, 1235 aus den welfischenAllodien in Niedersachsen gebildet.

Der Herzogstitel war schon vorher als ein höherer Fürstentitel ohne Amtvergeben worden, so 1098 dem in Schwaben und Hochburgund reich begütertenHause Zähringen (-st 1218), dessen einer Zweig sich seit 1112 Markgrafenvon Baden nannte; 1180 wurden die Grafen v. Andechs, die große Güter inBayern, Franken, Jstrien und Dalmatien hatten, zu Herzogen v. Meranienerhoben (st 1248).