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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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73
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Die Großmächte und das Gleichgewicht im 18. Jhdt. 73

Karl XII. 16971718, großer Kriegsheld, schlechter Politiker. Schweden ver-liert nach anfänglichen Erfolgen feine europäische Machtstellung endgültig undden größten Teil seiner Außenländer. Rußland wird an seiner Stelle europäischeGroßmacht und erreicht Zugang zur Ostsee (Petersburg 1703 gegründet).

Schweden durch die Eroberungspolitik 16301720 ruiniert, Adelsherrschaftwiederhergestellt (17201771); auch Frankreich am Ende der Regierung Lud-wigs XIV. in tiefem Elend, erholt sich aber trotz des Lawschen Finanzkrachs(1720) wieder.

Das 8l/ltem 6er europäjlcken Srotzmäckte.

Nachdem Frankreichs Vormacht im Spanischen Erbfolgekrieg durch europäischeKoalition gebrochen, tritt an Stelle einzelner überragender Großmächte, Spanienund Frankreich, eine Mehrzahl von Großmächten, die sich mit äußerstem Arg-wohn, listiger Diplomatie und vielverschlungenen Verbindungen die Wagehalten. Dynastische Kabinettpolitik, Länderschacher und -tausch Interventionen.Erbfolgekriege (spanischer 170113, polnischer 173335, österreichischer 174048.

England wacht über das europäische Gleichgewicht, begünstigt durch seineJnsellage und überragende Seemacht. Es hat Holland, das nur noch wohlhabenderRentnerstaat, endgültig überflügelt, Kolonialbesitz in Amerika und Indien aus-gedehnt, 1704 Gibraltar, den Schlüssel des Mittelmcers, besetzt, Portugal zueinem Vasallen seiner Politik gemacht (Methuenvertrag 1703).

Das französische Königshaus Bourbon herrscht mit Seitenlinien s. 1701in Spanien, 1735 beider Sizilien; zeitweise gemeinsame bourbonische Familien-polittk.

Großer Aufschwung Österreichs nach der Abwehr des letzten Türken-An-griffs 1683: Ungarn und Siebenbürger 1687/88 erobert, 1714 die spanischenNebenlande in Italien (Neapel-Sizilien nur bis 1735) und den Niederlandenerworben. Große Erfolge unter dem als Feldherr und Staatsmann bedeutenvenPrinzen Eugen v. Savoyen 16971734. Durch die Pragmatische Sanktionvon 1724 Union der Habsburgischen Länder hergestellt.

Emporstieg kleiner, aber tatkräftiger Staaten: Brandenburg s. 1701 König-reich Preußen, beteiligt sich seit Kurfürst Friedrich Wilhelm (167088) äußerstgeschäftig an der großen Politik, obwohl klein, arm und mit höchst ungünstigverzetteltem Gebiet, dabei durch die Mißgunst Habsburg schwer benachteiligt.

Friedrich II. der Große (174086) schlägt selbständige Politik ein gegenÖsterreich und erhebt Preußen durch kriegerische Erfolge in,den 3 schlesischen Kriegen(174042, 174445, 175663), durch Erwerbung von Schlesien (1742), West-preußen und Netzedistrikt (1772) zur Großmacht.

Eine ähnlich ehrgeizige, wenn auch nicht so erfolgreiche Politik verfolgtdas Herzogtum Savoyen (-Piemont) zwischen den Mächten Frankreich und Habs-burg. Seit 1720 Königreich Sardinien.

Rußland durch Peter den Großen (16891725) und seit dem Siege vonPoltawa (1709) an Stelle Schwedens europäische Großmacht. Radikale Durch-führung des bürokratisch-militaristischen Absolutismus nach europäischem Muster.