Buch 
Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
Entstehung
Seite
120
JPEG-Download
 

120

Soziologische Übersichten.

Völker bilden sich im Laufe langer Zeiten aus Teilen verschiedenerRaffen und Sprachverbände. So besteht das deutsche Volk mindestens aus 3bis 4 verschiedenartigen Bestandteilen: reinen Germanen im Nordwesten, Kelto-germanen im Westen, mit Alpinen vermischt im Süden, Germanen mit erheb-licher slawischer Beimischung im Osten. Die Slawen aber sind wohl vorwiegendfinnischen und turanischen Ursprungs, die indogermanische Sprache von ein-dringendem Herrenvolk angenommen. Die französische Nation hat sich ausAlpinen (Iberern, Ligurern), Kelten, Römern und Germanen gebildet und istsprachlich in mindestens 3 verschiedene Gruppen: (Nord-) Franzosen, Provencalen(Katalanen) und Bretonen geschieden.

Die neueren Nationen bilden, so verschiedenartig sie an sich sind, Ein-heiten als historische Schicksals- und Kulturgemeinschaften. Daß Nationen auchohne staatliches Dasein lange als Einheiten bestehen können, zeigt das Beispielder Juden, Armenier, Polen.

2. Wirtschaftliche Entwicklung.

Der wirtschaftliche Urzustand: die individuelle Nahrungssuche zu augen-blicklicher Bedarfsbefriedigung. Erste Arbeitsteilung: Die Frau hat den pflanz-lichen, der Mann den tierischen Teil der Nahrung zu beschaffen und zu bereiten.Aus der Tätigkeit der Frau gehl der erste wirtschaftliche Fortschritt hervor: dasVorrathalten und weiterhin der Anbau gewisser Wurzel- und Knollengewächsemit Grabstock und Hacke. Frauensache sind der Hack-, Feld- und Gartenbau.Getreidemühlen, Brotbacken, Bierbrauen, Herstellung von Kochgefäßen, Töpferei,von Kleidung und Matten aus Pflanzenfasern und Rinden, der Mann hat Jagd,Fischfang, Viehzucht, Melken, Fleischbereitung, Verarbeiten von Häuten, Haar-und Wollzeugen. Der Ackerbau mit Vieh und Pflug wird gemeinsame Arbeit.

Wie die Frau für Arbeit und Vorratswirtschaft, so ist der Mann für dieOrganisation bahnbrechend. Arbeitsgemeinschaften bei Jagd, Fischfang, Rodung,Hausbau, Weidegenoffenschaften.

Die gesellschaftliche Gliederung ergibt sich als Folge der ökonomischen Ver-hältnisse. Dem Urzustände der individuellen Nahrungssuche entspricht die lockereHorde mit losem Zusammenhalt von Mann, Weib und Kind. Erst mit denAnfängen des Arbeitens und Wirtschastens ergeben sich die familienhaften Arbeits-uud Hausgemeinschaften. Fester ökonomischer Punkt ist die Frau als Bewahrerinvon Hütte und Herd und Bestellerin des Feldes, der Mann, der schweifenderNahrungssuche obliegt, ist nur lose angegliedert Stufe des Mutterrechts.

Wo aber Viehzucht entweder allein oder in Verbindung mit Feldbau(Pflugbestellung) zur Grundlage der Wirtschaft wird und dem Mann den öko-nomischen Vorrang verschafft, tritt 1. eine neue gesellschaftliche Ordnung, diepatriarchalische ein, 2. ein neues ökonomisches Moment, die Möglichkeit und dasStreben, den Besitz zu vermehren, der Erwerbstrieb, 3. ein soziales, der Aufstiegder durch Besitz, zumal an Vieh, Ausgezeichneten zu Adel, Häuptlingen, Königen.

Kleidung, Waffen, Vieh sind das erste Privateigentum, nun wird auch dir