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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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46
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ständeu, mit schattigen Baumgängen zum Ausruhen undUmherwandeln. Hier wurden die Übungen nicht mehrvon Lehrern geleitet, sondern die älteren und geübterenTurner standen den jüngeren mit ihrem Rate bei. „Inder Arbeit der Gymnasien“, sagt ein attischer Dichter,„wird der Jüngling herrlich aufblühen; seine Brust wirdstattlich werden, seine Schultern gewaltig und seine Glie-der ebenmäßig.“ Aber auch die geistige Weiterbildunghörte, wenigstens bei den Strebsameren und Begabteren,keineswegs auf. Seit den Perserkriegen gab es in Atheneine Menge Lehrer der Weisheit, sogenannte Philo-sophen, von denen der Jüngling den Inbegriff des da-maligen Wissens sich aneignen konnte. So wußten dieAthener die Ausbildung des Geistes mit der des Leibestrefflich in Einklang zu bringen.

7. Kultur der Griechen im allgemeinen.— Indes darf man nicht glauben, daß nur in Athen Kunstund Wissenschaft gepflegt worden wäre. Im Gegenteil,nicht nur im eigentlichen Hellas, sondern überall, wo sichGriechen niedergelassen hatten, auf den Inseln, an denKüsten Kleinasiens und des Schwarzen Meeres, in Sizi-lien, Unteritalien und Afrika erfüllten sich ihre Städtemit Marmortempeln, Säulenhallen und Theatern, schufenKünstler wunderbare Werke und suchten tiefsinnige Den-ker die Rätsel der Welt zu lösen. Wenn die Griechen imstolzen Gefühl einer höheren Gesittung auf die „Barbaren“herabsahen, war das nicht ohne Grund. Ihr ganzes Wesenwar edler, menschlicher. Menschenopfer, wie sie im Mor-genland häufig vorkamen, waren ihnen fremd. GrausameStrafen, wie Blenden, Verstümmelung der Gliedmaßen,Kreuzigungen, die bei den Persern gebräuchlich waren,verabscheuten sie als barbarisch. Als man dem Pausaniasnach der Schlacht von Platää riet, die Leiche des Mar-donius ans Kreuz schlagen zu lassen, wie das dem Körperdes Leonidas widerfahren sei, wies er diese Zumutung alseinen Schimpf zurück; dies Verfahren sei eines Barbarenwürdig, aber nicht eines Hellenen. Wie überall im Alter-