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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Staffel des Ruhmes hätte führen können, wenn nicht seinemaßlose Eitelkeit und Eigenliebe sein besseres Selbstüberwuchert hätten.

§ 10. Sokrates.

1. Die dreißig Tyrannen in Athen (403 v.Chr.). — Nun gab es in Athen Leute, welche die ganzeSchuld am Unglück der Volksherrschaft beimaßen undstatt dieser eine aristokratische Regierung zu errichtenwünschten. Lysander spendete ihrem Vorhaben Beifallund Unterstützung. So wurde die demokratische Verfas-sung gewaltsam umgestürzt und dreißig Männer ausjener Partei mit unumschränkter Gewalt bekleidet. Ander Spitze der dreißig stand K r i t i a s, ein Mann vonvielem Talent, aber von grausamem, tückischem Gemüt,das selbst der Umgang mit Sokrates nicht hatte veredelnkönnen. Bald begann jCritias mit seinen Genossen eineblutige Schreckensherrschaft auszuüben. Wer ihm ver-dächtig schien oder sonst im Wege stand, wurde demHenker überliefert und seine Güter eingezogen. Die Nach-barstädte füllten sich mit athenischen Flüchtlingen, na-mentlich Theben, wo sie freundliche Aufnahme fanden.Die Thebaner ließen es geschehen, daß einer der Flücht-linge, Thrasybul, ein wackerer Kriegsmann, vonihrem Gebiet aus mit einer Schar Vertriebener den offenenKrieg gegen die Tyrannen begann. Kritias fiel in einem

403 v. Chr. Gefechte. Thrasybul konnte als Sieger in Athen einziehenund stellte die alte demokratische Verfassung wieder her.In schönster Weise zeigte das athenische Volk, daß esnoch immer der Freiheit würdig war, indem es auf Thra-syhuls Antrag eine allgemeine Amnestie, d. h. ein Ver-geben und Vergessen des Geschehenen beschloß und aufalle Rache verzichtete.

2. Der weise Sokrates. — Dennoch blieb imVolke eine Aufregung zurück, der einer der trefflichsten