Männer des Altertums zum Opfer fiel, der weise Sokr a-t e s. Ursprünglich ein Bildhauer, fühlte er sich unwider-stehlich dazu hingezogen, über das, was den Menschen gutund tugendhaft mache, nachzudenken und seine Mitbürgerzur Weisheit und Tugend heranzubilden. Wo viele Men-schen zusammenkamen, auf dem Markte, in den Werk-stätten, auf den Turnplätzen, da war Sokrates den ganzenTag zu finden, und niemand verstand es, wie er, begabteJünglinge an sich zu fesseln und zum Nachdenken anzu-regen. So sammelte er einen Kreis von begeisterten Schü-lern um sich, von denen manche weit her eilten, um desgeliebten Lehrers Worte zu vernehmen. Einer fand, jedeMinute, die er nicht mit Sokrates zugebracht, sei ver-loren. Weit über Griechenland hinaus verbreitete sich seinRuf; das Orakel von Delphi erklärte ihn für den weisestenaller Menschen. Er aber sagte: „Ich glaube es selbst, abernur deshalb, weil ich nicht, wie die andern, wähne, etwaszu verstehen, wovon ich im Grunde nichts Aveiß.“ Alsechter Weiser lebte Sokrates so einfach und so bedürfnis-los als möglich. Als ihn ein fremder Fürst einlud, anseinen Hof zu kommen, ließ er diesem erwidern, es steheihm nicht Avohl an, Wohltaten zu empfangen, die er nichtvergelten könne. Zum Lehen aber habe er genug; denn inAthen kaufe man vier Maß "Weizen um einen Groschenund das beste Quelhvasser fließe umsonst. Die schlichtesteKost und Kleidung genügte ihm; geAA T öhnlich ging er bar-fuß. ]) as hinderte ihn aber nicht, einem seiner Schüler,der es ihm darin noch zuvortun wollte und sich in einemzenissenen Bettlermantel zeigte, zuzurufen: „Mein Lieber,aus den Löchern deines Mantels guckt deine Eitelkeit lier-\or. Auch Avar Sokrates durchaus kein mürrischer Son-derling; er AA'ar fröhlich mit den Fröhlichen und A r er-schmälite es nicht, im Kreise seiner Jünger an festlichenGelagen teilzunehmen. Von Angesicht war er häßlich, erspottete selbst über seine platte Nase und seine dickenLippen; aber die Anmut seines Geistes machte ihn zumangenehmsten Gesellschafter.
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