bevölkern, errichtete er eine Freistätte für entlaufeneSklaven, Verbrecher und Flüchtlinge jeder Art, und vieleMänner kamen, aber keine Frauen. Umsonst hat ßomu-lus bei den umliegenden Städten um solche; überall wurdeer abgewiesen. l)a veranstaltete er ein prächtiges Festmit Kampfspielen und lud die Nachbarn dazu ein. DieNeugierde lockte zahlreiche Gäste aus dem benachbartenVolke der Sabiner mit Frauen und Töchtern herbei.
Plötzlich, mitten in der Feier, stürzten sich auf eingegebenes Zeichen die römischen Jünglinge auf die zu-schauenden Jungfrauen; ein jeder raubte sich eine undtrug sie davon, und den bestürzten Eltern, die ohne Waf-fen gekommen waren, blieb nichts übrig, als unter Ver-wünschungen nach Hause zu fliehen. Bald rückte jedochein gewaltiges Sabinerheer heran, um den Frevel zu rä-chen. Schon sollte es zum Entscheidungskampfe kommen,da warfen sich die geraubten Sabinerinnen zwischen dierauhen Männer und brachten eine Versöhnung zustande.
Die Sabiner schlossen mit den Körnern nicht nur Frieden,sondern sie verbanden sich mit ihnen zu einem Gemein-wesen, dessen Größe dadurch verdoppelt wurde. Noch re-gierte Romulus lange Jahi-e mit Kraft und Glück, bis erwährend einer Heeresmusternng in einer Gewitterwolkeunter Donner und Blitz in den Himmel entrückt wurde.
Die Römer verehrten ihn als Schutzgott ihrer Stadt. Mit 753 v. f!hr.dem angeblichen Gründungsjahr derselben (753 v. Chr.)aber begann ihre Zeitrechnung, indem man in Rom sagte,das und das Ereignis sei im so und so vielten Jahre nachErbauung der Stadt geschehen.
3. Servius Tullius. — Nach Romulus sollen nochsechs Könige über Rom geherrscht haben. Aber alles,was über die älteste Geschichte der Stadt berichtet wird,strotzt von Wundern und Unwahrscheinlichkeiten jederArt, so daß diese Erzählungen nur als Sagen oder gar alserfundene Fabeln zu betrachten sind. Gewiß ist, daß Romin ältester Zeit von Königen regiert wurde und schon da-mals die Herrschaft über die Latiner gewann. Wie später