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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
83
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tigen Staate zusammen, der sich schon längst auf derInsel festgesetzt hatte und sie als seine Beute betrachtete.Im Norden Afrikas, da, wo sich dieser Erdteil Siziliennähert, hatten die Phönizier in uralter Zeit (unweit desheutigen Tunis) auf einer ins Meer vorspringenden Land-zunge eine Pflanzstadt angelegt, der sie den Namen Kar-thago, d. i. Neustadt, gaben. Dank ihrer günstigen Lageund der Rührigkeit ihrer Bewohner hatte sich diese phö-nizische Kolonie im Lauf der Jahrhunderte zur erstenSeestadt am Mittelmeer empor geschwungen und zugleichein weites Untertanenland erworben. Zwanzig Völkerund 300 Städte in Nordafrika zahlten Karthago Tribut.Außerdem gehörten ihm halb Sizilien, die Insel Sardinienund die Südküste von Spanien. Alles zusammen bildeteein Reich, das dem römischen an Umfang nicht nach-stand. Die karthagische Kriegsflotte war an Zahl undGröße der Schiffe die erste der Welt, und unermeßlicheReichtümer strömten durch den blühenden Handel unddie Steuern der Untertanen in der Stadt zusammen, dienoch zur Zeit ihres Untergangs 700,000 Menschen hinterihren gewaltigen Mauern beherbergte. Bei alledem ruhtedie Macht der Karthager auf gebrechlichen Grundlagen.Sie behandelten ihre Untertanen mit grausamer Härteund drückten sie mit unerschwinglichen Abgaben, so daßdiese ihre Bedrücker bitter haßten und stets auf Abfallsannen. Auch fehlte ihnen der ausdauernde, opfermutigeBürgersinn, der die Römer so unbesieglich machte. Wäh-rend diese selber für ihr Vaterland zu Felde zogen, soließen die Karthager ihre Kriege durch gemietete Söldneroder gezwungene Untertanen führen und stellten bloßdie höheren Offiziere zum Heere. Wenn dennoch die afri-kanische Kaufstadt Roms furchtbarster Feind wurde undes mit ihr einen Kampf auf Tod und Leben zu bestehenhatte, so war das weniger das Werk der karthagischenBürgerschaft, als das einiger großer Männer, die aus demKrämervolke emporragten, wie stolze Eichen aus demGebüsch.