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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
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116
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ein Mann von großer Klugheit und Tatkraft, dem es ge-lang, seine Nebenbuhler zu besiegen und sich zum allei-nigen Herrn des Reiches aufzuwerfen. Er dankte diesvorzüglich den Christen, deren Religion er zum Siege312 n. Chr. brachte. Konstantin verlegte den Kaisersitz nach der330n. Chr. Stadt Byzanz am Bosporus, die nach ihm den NamenKonstantinopel, d. i. Konstantinsstadt, erhielt. Durch'eine Menge prunkender Bauten verlieh er der neuenHauptstadt einen Glanz, vor dem derjenige der alten ver-blich.

8. Teilung des Reiches (395 n. Chr.). Einerder Nachfolger Konstantins, Theodosius, der wegenseiner Tapferkeit und Frömmigkeit der Große genannt

395n. Chr. wurde, teilte auf dem Todbette das Reicli unter seine zweiSöhne, Arkadius und Honori u s, und diese Tren-nung blieb bestehen. Es gab fortan ein oströmischesoder morgenländisches und ein weströmisches oderabendländisches Reich. Jenes, das nach seiner Spracheauch das griechische genannt wird, bestand noch über einJahrtausend, bis die Türken ihm 1453 ein Ende machten.Das weströmische dagegen dauerte nur bis zum Jahre476 n. Chr. 476, in welcliem ein deutscher Krieger, Odovakar, denletzten Kaiser, Romulus Augustulus, vom Thronestieß und sicli zum König von Italien machte.

9. Ende des Altertums (476 n. Chr.). Mit demSturz des weströmischen Reiches im Jahre 476 ging diealte Welt gleichsam zu Grabe, und es war kein Unglück.Die letzten Jahrhunderte der römischen Kaiserzeit warenfür die Einwohner des Reiches namenlos traurig gewesen.Längst war jeder Unterschied zwischen Italien und denProvinzen verschwunden, aber nur in der allgemeinenKnechtschaft. Die Kaiser thronten in ihren Palästen inunnahbarer Herrlichkeit, umgeben von zahllosen Hof-schranzen und verschwenderischer Pracht. Auf den Unter-tanen aber lastete der Despotismus bleischwer. Ein Heervon hochmütigen und betrügerischen Beamten sog amMarke des Volkes, und der unerträglichste Steuerdruck