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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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zum Aufstand. Raubend und mordend durchzogen dieWestgoten die Balkanhalbinsel und zerschmetterten dieHeere, die ihnen die Römer entgegenstellten. So lerntensie ihre Kraft kennen und die „römischen Memmen“ ver-achten. Mit Mühe gelang es Theodosius dem Großen, siefür eine Weile zu besänftigen und in seinem Dienste zuverwenden. Als dieser letzte tüchtige Kaiser tot war, dawollten die Westgoten nicht länger Knechte sein, wo sieHerren sein konnten. Sie wählten einen tapferen Krieger,namens A 1 a r i c h, zu ihrem König und streiften plün-dernd und verwüstend bis nach Athen. Dann fielen siein Italien ein, rückten auf Rom los und umzingelten dieStadt, die seit den Tagen Hannibals keinen auswärtigenFeind mehr vor ihren Toren gesehen hatte. Die Römerschickten an den Gotenkönig eine Gesandtschaft, die sehrstolz auftrat. „Das Volk“, sagte sie, „rüstet sich zumKampf und ist zahllos wie der Sand am Meere.“ Dalachte Alarich höhnisch und rief: „Je dichter das Gras,desto leichter das Mähen!“ Dann forderte er als Bedingungseines Abzuges alles Gold und Silber in der Stadt, über-haupt alle bewegliche Habe und alle Sklaven barbarischerAbkunft. Entsetzt fragte einer der Gesandten, was erihnen denn lassen wolle. „Das Leben,“ gab der Gote zurAntwort. Schließlich gewährte Alarich der Stadt Scho-nung gegen 5000 Pfund Gold, 30,000 Pfund Silber, 4000seidene Gewänder, 3000 purpurgefärbte Pelze und 3000Pfund Pfeffer. Um die verlangte Summe zusammen-zubringen, mußte man alle goldenen und silbernen Statueneinschmelzen, darunter auch die Bildsäule der Tapferkeit.

Alarich wäre bereit gewesen, mit den Römern gegenÜberlassung von Wohnsitzen im Reiche Frieden und Bünd-nis zu schließen. Aber der Kaiser Honorins, welcherin der von Sümpfen umgebenen Stadt Ravenna residierteund für seine Person sich da sicher fühlte, verwarf seineAnträge. Da rückte der Gotenfürst wieder vor Rom und 410 n. Chr.erstürmte es. Drei Tage lang plünderten die Barbarendie Hauptstadt des Reiches; doch verschmähte es Alarich,

Oechsli, Allgemeine Geschichte.

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