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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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lange, so wurden der schwachen Frau die Zügel aus derHand gerissen. Erzbischof Anno von K ö 1 n, ein herrsch-süchtiger, gewissenloser Mann, stiftete mit einigen andernGroßen eine Verschwörung, um sich des Königskindesund damit der Regierung zu bemächtigen. Als sich derHof am Niederrhein aufhielt, lockte der Erzbischof einesTages den Knaben auf ein Schiff. Kaum hatte er es be-treten, so stießen die Ruderer vom Ufer ah. Verrat ahnend,stürzte sich der junge König in den Strom und wäre er-trunken, wenn nicht einer der Verschwornen ihn mitknapper Not gerettet und auf das Sciiiff zurückgebrachthätte. Man suchte ihn durch Schmeichelreden zu besänf-tigen und führte ihn nach Köln. Ohne Widerstand über-ließ die jammernde Kaiserin den Großen die Frucht ihresFrevels, und diese lenkten jetzt das Reich nach ihremGutdünken, nicht zu seinem Besten. Kaum war jedochHeinrich IV. mündig geworden, so ließ er seine Umgehungfühlen, daß er ein wirklicher König, wie sein Vater undGroßvater, sein wolle. Schon begannen ihn die Fürste n,wie man die Herzoge, Bischöfe und übrigen Großen desReiches nannte, zu fürchten. Da erstand ihnen ein Bun-desgenosse am P a p s t e, der sich plötzlich zu einer Machterhob, die das Kaisertum in Schatten stellte.

2. Gregor VII. (1073—1085). — Damals saß auf demrömischen Stuhle ein ehemaliger Mönch, H i 1 d e b r a n doder Gregor VII., wie er sich als Papst nannte. DerSohn eines armen toskanischen Bauers, klein und unan-sehnlich von Gestalt, hatte er sich durch seine außer-ordentlichen Geistesgaben und seine unbeugsame Willens-kraft zum allmächtigen Ratgeber der Päpste aufgeschwun-gen. Er hatte in Rom geherrscht, lange bevor er auf denheiligen Stuhl erhoben wurde. Dieser kühne, ehrgeizigeMönch träumte von nichts Geringerem, als von der Auf-richtung einer päpstlichen Weltherrschaft. Rom solltevon neuem den Erdkreis regieren, aber durch seinen Bi-schof, dem als Stellvertreter Christi auf Erden die höchsteGewalt in weltlichen wie in geistlichen Dingen gebühre.