Indianer genannt hatte. Doch tauchte schon zu seinenLebzeiten die Vermutung auf, daß man es im Westen garnicht mit Indien, sondern mit einem bis dahin völlig un-bekannten, weit von jenem entfernt liegenden Festlandezu tun habe, und die weitern Entdeckungsfahrten be-stätigten dies bald. Die Ehre, dem neuen Erdteil denNamen gegeben zu haben, ist leider nicht dem ruhmvollenEntdecker zuteil geworden, sondern einem andern Ita-liener, der dadurch zu einer kaum verdienten Verewigunggelangt ist, dem Florentiner A m e r i g o Vespucc i.Dieser hatte nach der dritten Heise des Columbus einigeFahrten nach Südamerika mitgemacht und veröffentlichteseine Reiseberichte im Druck. Da sie die ersten aus-führlicheren Schilderungen der neuen Welt enthielten,wurden sie allerorten begierig gelesen und machten Ves-puccis Namen bekannter, als den des Columbus. Man hieltihn für den Entdecker des von ihm beschriebenen Fest-landes, und einige deutsche Gelehrte gerieten auf denEinfall, es nach ihm Amerik a zu benennen, ein Name,der wohl seines Wohllautes wegen bald allgemein An-klang fand.
6. Cortes (1519—21) und Pizarro (1531). — DerGolddurst reizte die Spanier, die Entdeckungen des Co-lumbus fortzusetzen und auszubeuten. Eine Masse vonverwegenen Gesellen strömte in die neue Welt hinüberund in unglaublich kurzer Zeit eroberten sie fast ganzMittel- und Südamerika für ihren König, ohne daß dieserviel dazu zu tun brauchte. Unter diesen Eroberern hatFerdinand Cortes den höchsten Ruhm erlangt. Alsdie Spanier von Cuba aus westwärts fuhren, trafen siezu ihrem Erstaunen in Mexiko auf ein großes, in man-cher Beziehung hochentwickeltes Volk, das in Städtenmit steinernen Palästen und Tempeln wohnte, Ackerbauund Gewerbe trieb und ein mächtiges Königreich bildete.Doch herrschte unter den Mexikanern die greuliche Sitteder Menschenopfer in einem unerhörten Maße. Cortesunternahm die Eroberung ihres Reiches. Mit einem Meer