Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
205
JPEG-Download
 

205

Welthandelsplätze. Die Erzeugnisse der überseeischenGegenden kamen in weit größeren Massen nach Europaals vorher. Viele, die früher kaum dem Namen nach be-kannt oder bloßer Luxus gewesen waren, wurden jetzt zuunentbehrlichen Bedürfnissen, wie die Gewürze, der Zuk-ker, Kaffee, Tee, Reis, die Baumwolle u. a. Erst in Amerikalernten die Europäer die Kartoffel, den Mais, den Tabakund Kakao kennen. Die edeln Metalle strömten aus demneuen Erdteil in solcher Masse zu, daß das Gold und Sil-ber im Werte sank oder, was auf dasselbe hinauskam,daß die gewöhnlichen Lebensbedürfnisse empfindlichteurer wurden. Umgekehrt empfing die neue Welt von deralten die Haustiere, die ihr, abgesehen vom Lama, gänz-lich mangelten, ferner die europäischen Getreidearten,das Zuckerrohr, den Kaffeebaum und andere Produkte,auf denen heute der Wohlstand der Amerikaner beruht.Die Ausdehnung des Seehandels brachte eine Art W elt-lierrschaft Europas mit sich. An allen Meeren,in allen Erdteilen entstanden Besitzungen und K o-lonien europäischer Mächte. Unzählige wunderten nachAmerika hinüber und legten dort den Grund zu neuengewaltigen Staaten mit europäischen Sprachen und euro-päischer Gesittung. Dabei fehlte es freilich auch an denschwärzesten Schattenseiten nicht. Die Einwanderertraten die Menschenrechte der Eingebornen mit Füßen,machten sie zu Sklaven und behandelten sie mit solcherGrausamkeit, daß sie an manchen Orten in kurzer Zeitvollständig ausstarben. Um die Indianer vor dem gänz-lichen Untergang zu retten, leisteten wohlmeinende Prie-ster der Einfuhr von Negern aus Afrika Vorschub, weildiese die Sklaverei besser aushielten. So löste ein Übeldas andere ab. Der scheußliche Negerhandel kam inSchwung, und die Sklaverei, die in den christlichenLändern im Verschwinden begriffen war, lebte jenseitsdes Ozeans in ihrer härtesten Form wieder auf.

9 Aufs c h w u n g der W i s s e n s c li a f t e n. K o-pernikus (f 1543). — Eine erfreuliche Folge der Ent-