und er verteidigte seine Schriften mit unerschrockenemFreimute. Als man ihm das Wort abschnitt und einebündige Antwort von ihm verlangte, ob er seine Irrlehrenwiderrufen wolle oder nicht, da sprach er: „So will ichdenn eine Antwort geben, die weder Hörner noch Zähnehat: Es sei denn, daß ich durch Zeugnisse der HeiligenSchrift oder durch helle Gründe überwunden werde, —denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilienallein, dieweil am Tage liegt, daß sie öfters geirrt und sichselbst widersprochen haben, — so kann und will ich nichtswiderrufen, weil es weder sicher noch geraten ist, etwaswider das Gewissen zu tun. Ich kann nicht anders, hierstehe ich. Gott helfe mir. Amen!“ Diese todesmutigeÜberzeugungstreue machte bei Freund und Feind großenEindruck. Kurfürst Friedrich war stolz auf seinen DoktorMartin, und der junge Landgraf Philipp von Hessenstattete Luther in der Herberge einen Besuch ab. DerKaiser freilich meinte, der würde ihn nicht zum Ketzermachen. Zwar hielt er Luther das versprochene Geleite,obgleich es an entgegengesetzten Stimmen nicht fehlte.Aber nach seiner Abreise sprach er über den „verstocktenKetzer“ als den „bösen Feind in Menschengestalt“ dieReichsacht aus und gebot, ihn gefangen zu nehmen, woman ihn treffe, seine Schriften zu verbrennen und über-haupt nichts mehr ohne Erlaubnis der Bischöfe zu drucken.
7. Luther auf der Warth u r g. Rückkehrnach Wittenberg (1522). — Als Luther auf der Heim-reise war, überfielen plötzlich vermummte Ritter seinenWagen und schleppten ihn unter wilden Flüchen davon.Solche Überfälle waren damals in Deutschland, wo esvon adligen und unadligen Räubern wimmelte, nichtsSeltenes. Aber diesmal war der Urheber kein anderer,als Luthers Landesherr, der treffliche Kurfürst Friedrich,der ihn schützen und doch den Schein einer Auflehnunggegen den Kaiser vermeiden wollte. Luther wurde aufdie Wartburg in Thüringen gebracht. Hier lebte erunter dem Namen eines Junkers Georg als Kriegsmann