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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Verräter Moritz. Landgraf Philipp wußte hierauf nichtsBesseres zu tun, als sich nach dem Rat Moritz’ von Sach-sen, der sein Schwiegersohn war und sich für seine Sicher-heit verbürgte, dem Kaiser zu Füßen zu werfen. Auch erblieb jedoch, wie Johann Friedrich, ein Gefangener KarlsV. und wurde nach einem Fluchtversuch einem gemeinenVerbrecher gleich in engem Kerker gehalten.

4. I) er Augsburger R e 1 i g i o n s f r i e d e (1555).- Karl V. stand jetzt auf der Höhe seiner Macht. GanzDeutschland lag zu seinen Füßen, und keine irdische Ge-walt schien mehr imstande, die Reformation vor der dro-henden Vernichtung zu retten. Da erstand dem Kaiser eiuunerwarteter Gegner. Kurfürst M o r i t z schämte sichdes Jammers seiner Glaubensgenossen, den er vor allemverschuldet hatte. Auch fühlte er sich vom Kaiser be-leidigt, weil dieser, ohne auf seine Fürbitte zu achten,seinen Schwiegervater so schmählich behandelte. EinMeister der Treulosigkeit, stiftete er, ohne daß der sonstin allen Listen bewanderte Kaiser eine Ahnung davonhatte, ein heimliches Bündnis der protestantischen Für-sten mit F rankreic h und verhieß diesem zum Dankfür die zu leistende Hilfe die Städte Metz, Toni undVerdun, die damals noch zum Reiche gehörten. Dannrückte er plötzlich mit Heeresmacht auf Innsbruck los,wo der Kaiser weilte, um den „Fuchs in seiner Höhle“ zufangen. Bei Fackelschein mußte Karl V. über die Bergeflüchten, um diesem Schicksal zu entgehen. Gleichzeitigbemächtigte sich der französische König der drei ver-sprochenen Städte. Karl V. war nicht stark genug, umdiesem Bunde der deutschen Protestanten mit seinemalten Feinde die Spitze zu bieten. Er mußte sich wohloder übel dazu entschließen, die gefangenen Fürsten ledigzu lassen und auf seinen Lieblingswunsch, die Ausrot-tung der neuen Lehre, zu verzichten. Auf einem Reichs-tag zu Augsburg schloß sein Bruder Ferdinand mit1555 den Protestanten einen ewigen R e 1 i g i o n s f r i e d e n,der ihnen gleiche Rechte mit den Katholiken gewährte.

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