die nicht in der Bibel ihren Grund hätten, fallen müßten.
1519 Mit seinem Amtsantritt in Zürich hatte er besonnen, indiesem Sinne das Evangelium auszulegen. Ein zu Herzendringender Prediger, wußte er Regierung und Volk fürdie Reformation zu begeistern. Nach wenig Jahren wardie Kirche des Kantons von Papst und Bischof befreit,Mönchswesen, Messe und Bilderverehrung beseitigt undder Gottesdienst so einfach und volkstümlich als möglichgestaltet. Hand in Hand mit dieser Umwälzung wurdenSchulen und Spitäler errichtet, Anstalten zur Versorgungder Armen getroffen und eine strenge Sittenzucht einge-führt, alles unter der kraftvollen Leitung Zwinglis, der,wie die Gegner spotteten, in Zürich Pfarrer, Bürger-meister, Rat und Schreiber in einer Person war. Man ,sollte meinen, daß Luther an dem wackern Mitstreiter inder Schweiz seine Freude gehabt hätte. Leider war diesnicht der Fall. So sehr der Zürcher Reformator der Gei-stesgröße Luthers seinen Beifall zollte, so ging er dochseine eigenen Wege und erlaubte sich, eine selbständigeMeinung zu haben. Insbesondere hegte Zwingli eine an-dere Auffassung vom Abendmahl, als Luther. Währenddieser die Worte Christi: „Nehmet, das ist mein Leib,trinket, das ist mein Blut“ buchstäblich faßte und ähn-lich, wie die Katholiken, behauptete, daß man beimAbendmahl wirklich Leib und Blut Christi genieße, sowagte Zwingli jene Worte bildlich zu deuten und dasAbendmahl für eine bloße Gedächtnisfeier des OpfertodesJesu zu erklären. Infolgedessen behandelte ihn Lutherals einen „Schwarmgeist“, der des „Satans Diener“ sei.Eine Zusammenkunft, die der Landgraf Philipp von Hes-sen zwischen den beiden Reformatoren 1529 auf seinem
1529 Schloß zu Marburg veranstaltete, führte zu keinemZiele. Jeder beharrte auf seiner Überzeugung. WährendZwingli der Ansicht war, daß man sich trotz dieser Mei-nungsverschiedenheit doch als Brüder in Christo betrach-ten sollte, stieß Luther die Hand, die er ihm unter Tränenzur Versöhnung bot, zurück und erklärte, ihm nur die