227
Liebe erweisen zn können, die man auch dem Feindeschuldig sei. So spalteten sich die Protestanten in Lu-theraner und in Reformierte, wie sich die An-hänger Zwinglis nannten. Zwinglis Lehre breitete sichauch in der übrigen Schweiz aus, und durch den Über-tritt Berns, des mächtigsten Kantons der Eidgenossen- 1528Schaft, der eine Reihe anderer nach sich zog, schien derSieg der Reformation entschieden. Aber eine AnzahlKantone, insbesondere die fünf inneren Orte Luzern, Uri,Schwyz, Unterwalden und Zug, hielten eifrig am altenGlauben fest. Die gegenseitige Erbitterung steigerte sich1531 bis zum Bürgerkrieg. Die fünf Orte kamen Zürichmit dem Angriff zuvor und zermalmten das kleine Heer,das ihnen die Stadt in der Eile entgegenwarf, in derSchlacht bei Kappel. Unter den zahlreichen Gefallenen 1531befand sich Zwingli selber, der als Feldprediger seine Mit-bürger in den Kampf begleitet hatte und in ihren vor-dersten Reihen als Held für seine Überzeugung starb. DieNiederlage der Reformierten setzte dem weitern Vordrin-gen ihrer Lehre in der Schweiz ein Ziel. Die religiöseSpaltung der Eidgenossenschaft war damit unwiderruf-lich besiegelt, und der vordem so kraftstrotzende Bundführte fortan in endlosem Glaubenshader ein kläglichesDasein.
2. Calvin in Genf (1536—1564). — Die durchZwinglis Tod verwaiste reformierte Kirche erhielt einneues Haupt in Johannes Calvin, einem geborenenFranzosen, der vor den Ketzerverfolgungen seiner Heimatin Genf eine Zufluchtsstätte fand. Dank seiner hinreißen- 1530den Beredsamkeit und eisernen Willenskraft wurde erder allmächtige Lenker der kleinen Republik und drückteihr durch die strengen Gesetze, die unter seinem Einflußerlassen wurden, für Jahrhunderte das Gepräge seinesGeistes auf. Zugleich schwang sich aber Calvin durchseine zahlreichen Schriften, die an Gelehrsamkeit undGedankentiefe nicht ihresgleichen hatten, zum anerkann-ten Führer des Reformationswerkes für ganz Europa auf.