Niemand führte seit Luther so wuchtige Schläge gegenRom, wie er. Nach allen Seiten gingen seine Briefe, gingen die kühnen Glaubensboten, die er an der von ihmgegründeten hohen Schule zu Genf mit seinem Feuereifererfüllte. In Frankreich, in den Niederlanden, in Schott-land, England, Deutschland, ja seihst in Ungarn undPolen fand seine Lehre Eingang. So erweiterte sich dievon Zwingli begründete reformierte Schweizerkirchedurch ihren zweiten Stifter zu einer europäischen Glau-bensgemeinschaft. Genf wurde das „protestantische Rom“,und die religiösen Einrichtungen, die ihm Calvin ge-geben, wurden das Vorbild für unzählige protestantischeGemeinden.
§ 4L Inquisition und Jesuiten.
1. Das Konzil von Trient (1545—1504). — Leidermachte die Begeisterung der Protestanten für die Be-freiung des Geistes vom Joch der mittelalterlichen Kirchenur zu bald gehässigem Gezänke, blindem Buchstaben-glauben und starrem Gewissenszwange Platz. Lutheranerund Reformierte bekämpften sich mit steigender Erbit-terung, als oh kein gemeinsamer Feind auf der Lauer ge-standen hätte, um alle beide zu verschlingen. Denn un-versöhnlicher als je stand die römische Kirche den Ketzerngegenüber. Auf dem Konzil zu Trient, das mit langen1563 Unterbrechungen bis 1503 dauerte, siegten die schroffstenFeinde der Protestanten. Alle Vorschläge, durch welchegemäßigte Katholiken jenen eine Brücke zur Wieder-vereinigung hatten hauen wollen, wurden zurückgewiesen.Wohl traf das Konzil Vorsorge für bessere Bildung undZucht unter der katholischen Geistlichkeit. Aber es machtedie Gewalt des Papstes unumschränkter als je. SeineHaupttätigkeit bestand darin, daß es die ganze mittel-alterliche Kirchenlehre in starre, unveränderliche For-meln brachte und gegen alle, die davon im geringsten ab-wichen, einen furchtbaren Fluch aussprach. Nicht durchVersöhnung sondern durch Ausrottung der Ketzer sollte