sehen Ansichten zuneigten. Aber Philipp II. spornte dasInquisitionsgericht zu rastloser Tätigkeit an, bis die letztenSpuren des Protestantismus auf der Halbinsel vertilgtwaren. Dabei sparte man gewöhnlich eine große Zahlvon Opfern zusammen, um die Ketzerverbrennungen rechteindrucksvoll zu machen. Unter dem Namen Auto daF e (Glaubenshandlungeil) wurden diese zu förmlichenVolksschauspielen, denen der König mit dem ganzen Hofzur Erhöhung der Feierlichkeit beiwohnte, wie einst Neroden Martern der Christen. So groß, wie Philipps Glau-benseifer, warseine Herrschsucht. Als Herr von Spanien,der Niederlande, der volkreichsten Teile Italiensund der unermeßlichen Gebiete der Neuen Welt warer weitaus der gewaltigste Monarch seiner Zeit. Zu alle-dem fiel ihm noch durch Erbschaft das einzige Land an-heim, das mit Spanien als Seemacht wetteiferte, P o r t u-g a 1 samt all seinen Besitzungen in Ostindien. Jetztging in Philipps Reich die Sonne nicht unter. Warumsollte er nicht auch den Rest Europas in sein Joch span-nen, in Frankreich und England der Ketzerei das Hauptzertreten und die Fahne des Hauses Habsburg aufpflan-zen? Besaß er doch die reichsten Schätze, die größteFlotte und die besten Soldaten. Denn seit den Kriegenseines Vaters galten die Spanier als unüberwindlich. Aberdie hochfliegenden Pläne des finstern Despoten gingenzuin Glück der Menschheit nicht in Erfüllung. Im Gegen-teil. Er mußte es noch erleben, daß ein Teil seiner eigenenUntertanen, durch seine Tyrannei zur Verzweiflung ge-trieben, von ihm abfiel.
2. Alba in den Niederlanden (1507—1573). —ln dem Reiche Philipps bildeten die arbeitsamen Nieder-1 a n d e an den Mündungen des Rheins und der Scheldenicht den geringsten Bestandteil. Kaum fand man irgend-wo schöne und volkreiche Städte so dicht gesät wie hier.Ihre Seehäfen, namentlich Antwerpen, wetteiferten mitden ersten der Welt, und die Binnenstädte blühten durchein hochentwickeltes Gewerbe. Überall verkündeten präch-