Handels und Gewerbes. Seinen Bemühungen verdankteFrankreich unter anderem die Einbürgerung der Seiden-zucht und Seidenindustrie, die seither für das Land sowichtig geworden sind. Auch ließ er ein Netz von schönenStraßen anlegen, wie sie damals noch kein Reich besaß,errichtete Kanäle zur Erleichterung der Schiffahrt undsuchte den Seehandel Frankreichs durch Gründung vonNiederlassungen in Amerika zu beleben. Danebenerfüllte freilich auch kriegerischer Ehrgeiz seine Seele.Schon rüstete er zu einem neuen großen Kampfe gegendas Haus Habsburg, das er in Deutschland, Italien undSpanien zugleich angreifen wollte. Da trat der Dolchstoßeines Mörders dazwischen. Als Heinrich IV. eine Spazier-fahrt durch Paris machte und der Wagen zufällig stillhielt, sprang ein Mensch auf das Rad und versetzte demKönig zwei tödliche Stiche. Der Täter ließ sich ruhig ge- 1610fangen nehmen. Er hieß Franz Ravaillac und ge-stand, er habe den König einzig deshalb ermordet, weiler die Ketzer beschützt habe. So bereitete die finstereMacht des Glaubenshasses demjenigen Fürsten ein vor-zeitiges Ende, der zuerst nicht für den Sieg des einen oderandern Bekenntnisses, sondern für den liöhern der gegen-seitigen Duldung, der Glaubens- und Gewissensfreiheitgestritten hatte.
§ 45. Der dreißigjährige Krieg.
1. Der Aufstand in Böhmen (1(518—20). ■— Derletzte und furchtbarste Religionskampf in Europa war derdreißigjährige Krieg, der ganz Deutschland mitTod und Verwüstung erfüllte. Seinen Anfang nahm erin Böhmen, dem Vaterland des Märtyrers Hus, wo diegroße Mehrheit des Adels und Volkes der evangelischenLehre zugefallen war. Obgleich die Böhmen in einer Ur-kunde, dem „Majestätsbrief“, die feierliche Zusicherungder Religionsfreiheit erhalten hatten, erlitten sie vonihren habsburgischen Herrschern mancherlei Bedrückun-