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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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verwüstet, der Wohlstand vernichtet, Handel und Ge-werbe gelähmt, jede Bildung unter dem wüsten Kriegs-lärm erstorben. Es dauerte mehr als ein Jahrhundert,bis das deutsche Volk die Folgen dieses schrecklichenKrieges überwunden hatte.

III. Das Zeitalter desunumschränkten Königtums.

§ 46. Ludwig XIV.

1. Ludwig XIV. (16431715). Während Deutsch-land so tief daniederlag, erhob sich Frankreich zummächtigsten Staate Europas. Heinrichs IV. Sohn undNachfolger, Ludwig XIII., war zwar ein unbedeutenderFürst; aber für ihn arbeiteten hervorragende Staats-männer, wie der Kardinal Richelieu, als Minister(Diener) an der Größe des Landes. Leider suchten siediese Größe auf falschen Wegen. Nach außen trachtetensie beständig danach, Frankreichs Grenzen auf Kostender schwachem Nachbarstaaten zu erweitern. Nach innenglaubten sie für das Heil des Staates am besten zu sorgen,wenn sie den König so allgewaltig als möglich machten.Auch in Frankreich war es seit alters Sitte gewesen, daßdie Herrscher von Zeit zu Zeit Reichstage einberiefenund sie in wichtigen Angelegenheiten um Rat fragten.

I )iese Versammlnngen hießen R e i c h s s t ä n d e (EtatsGeneraux), weil die drei Stände der Geistlichkeit, desAdels und der Bürger ihre Vertreter dazu wählten. Seitdem Jahre 1614 wurden aber die Reichsstände nie mehr HU4einberufen. Der König und seine Minister maßten sichan, alles nach ihrem Gutdünken zu entscheiden. Der Königsollte unumschränkter oder absoluter Herr-scher, d. li. an keinen andern Willen gebunden sein, alsseinen eigenen. Er sollte nach Belieben Gesetze erlassen