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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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255
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großen Dichtern nnu geistreichen Schriftstellern, wie keinanderes Land. Indem der König diese an seinen Hof zogund großmütig unterstützte, schienen sie nur noch fürihn zu dichten und zu schreiben. Auch der Künste be-diente er sich zu seiner Verherrlichung. Unweit Paris,in Versailles, erbaute er sich mit ungeheuren Kosteueinen gewaltigen Palast, der mit seinen Prunksälen, Ter-rassen und seinem mit großartigen Wasserwerken, Baum-gängen und Marmorhainen erfüllten Park das Vorbild fürdie Königssitze Europas wurde, Da führte der König,umgehen vom hohen Adel, einen Hof, der an Glanz undPracht und äußerlicher Verfeinerung der Sitten nichtseinesgleichen hatte. Ganz Europa war davon geblendetund alle Fürsten suchten ihn nachzuahmen. FranzösischeSitte und Mode verbreitete sich von Paris und Versaillesaus überall hin, und das Französische wurde an Stelledes Lateinischen die Weltsprache der Gebildeten.

2. Aufhebung des Ediktes von Nantes(1G85). Aber hinter diesem äußern Glanze lauerte schonall das Elend, das der Despotismus über die Völker zubringen pflegt. Ungeheure Summen wurden aus demVolke herausgepreßt, um in höfischem Luxus oder imKriege verschwendet zu werden. Vor der Willkür desKönigs oder seiner Diener gab es keinen Schutz. Aufeinen bloßenSiegelbrief (lettre de caeliet), d. h. einenmit dem königlichen Siegel versehenen Befehl einesMinisters hin konnte in Frankreich jedermann, ohne An-gabe der Gründe, ohne Urteil und Recht, auf beliebiglange Zeit oder auch für immer im Kerker verschwinden.Schon längst hatte die katholische Geistlichkeit wiederdie Unterdrückung der Hugenotten gefordert und beimKönig geneigtes Gehör gefunden. Noch schützte Colbertdiese eine Zeitlang als die betriebsamsten, tätigsten Ein-wohner des Reiches. Aber mit seinem Tode schiedFrankreichs guter Engel dahin. Unter dem Einflüsseseines Beichtvaters, eines Jesuiten, machte sich nun Lud-wig XIV. daran, das edelste Werk seines Großvaters zu