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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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freiheit noch wenig verbreitet. Die große Mehrheit imParlamente wie im Volke wollte zwar die Landeskirchevon den katholischen Überbleibseln säubern, aber keiner-lei Sekten dulden. So entspann sich über der großenFrage der Glaubens- und Gewissensfreiheitein Streit zwischen Parlament und Heer, an dem niemandgrößere Freude hatte, als der gefangene König. Karl I.hoffte, daß die verhaßten Gegner sich untereinander zer-fleischen würden, und schürte den Streit nach Kräften,indem er beiden Teilen trügerische Versprechungenmachte. Das treulose Spiel schlug indes nur zu seinemeigenen Verderben aus. Die Soldaten verloren die Geduldund forderten, daß der König als Urheber all des Blut-vergießens gerichtet und daß das Königtum überhauptabgeschafft werde. Als das Parlament sich dagegensträubte, ließ Cromwell das Sitzungsgebäude mit Sol-daten umstellen und alle Gegner des Heeres aus der Ver-sammlung ausstoßen. Seit diesem Gewaltstreich gegen diehöchste Behörde des Landes waren die Soldaten diewahren Herren desselben, zum Glück Soldaten, die diesenBeruf nicht um des Soldes und der Beute willen, sondernzum Schutz ihrer Freiheit und ihres Glaubens ergriffenhatten. Ernste Frömmigkeit und strenge Sittlichkeit be-seelte dieseHeiligen Cromwells. Keinen Fluch, keinSpiel, keinen Trunk, keine Ausschweifungen irgend-welcher Art duldeten sie unter sich. Dasgereinigte Par-lament setzte ihrem Willen gemäß einen außerordent-lichen Gerichtshof ein, der den König als Tyrann, Ver-räter, Mörder und Feind des Vaterlandes verurteilte.Würdig und gefaßt erlitt Karl angesichts seines Palastes 1649in London den Tod.

4. England eine Republik (164953). JetztAvurde England zur Republik erklärt. Aber der .jungeFreistaat hatte mit den größten Schwierigkeiten zu käm-pfen. Die Masse des Volkes stand der neuen Staatsformfeindlich oder gleichgültig gegenüber. Die Iren und selbstdie Schotten griffen für den Sohn des hingerichteten-