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Laune der Höflinge bald geduldet, bald mit Kerker undGaleeren bestraft. Hie berühmtesten Schriftsteller warenkeinen Tag sicher, ob sie nicht in das Staatsgefängnis zuParis, in die dunkeln Kerker der Bastille, geworfen wur-den. Voltaire, der mit Königen und Kaiserinnen im Brief-wechsel stand, lehte vorsichtig auf einem Landgut in derNähe von Genf, um sich im Fall der Not vor den könig-lichen Häschern über die Schweizergrenze retten zu kön-nen. Rousseau sah seine Schriften durch Henkershandverbrannt und entging der Verhaftung nur durch dieFlucht. Obgleich der Unglaube unter der Geistlichkeitselber überhand nahm, blieben die Protestanten nach wievor rechtlos; ihre Pfarrer wurden gehängt und ihre heim-lichen Versammlungen mit Flintenschüssen auseinandergetrieben. Die Gefängnisse waren voll von Unglücklichen,die ihrer Freiheit beraubt waren, ohne zu wissen, Avarum.Denn jeder, der Einfluß am Hofe oder Geld genug besaß,konnte mittelst geheimer Haftbefehle oder Siegelbriefeein sperren lassen, wen ihm beliebte.
2. Elend des Volkes. — Der französische Staatschien nur noch eine Maschine zu sein, durch welche derKönig, der Klerus und der Adel das Volk nach Kräftenausbeuteten. Die Minister Tmdwigs XV. sagten frei her-aus, das Volk sei ein Schwamm, den man so stark alsmöglich auspressen müsse. Die Verschwendung des Hofesging ins Unglaubliche. Ludwig XV. betrachtete die Staats-einnahmen als sein Privateinkommen, von dem er fürseine Person so viel brauchen dürfe, als ihm beliebe. Erhatte einen Marstall von 4000 Pferden, eine Leibwachevon 9000 Mann und etwa 4000 Menschen zu seiner Be-dienung. So kostete ihn seine „Haushaltung“ allein 68Millionen Franken jährlich, abgesehen von den ungezähl-ten Millionen, die in außerordentlichen Ausgaben ver-geudet Avurden. Aber auch die Verwandten des Königs,die Prinzen und Prinzessinnen „von Geblüt“ Avaren ge-Avohnt, aus der Staatskasse zu schöpfen, wie wenn es ihreeigene Aväre, und wetteiferten miteinander an Luxus und