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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Verschwendung. Der Adel, nicht damit zufrieden, daßer den dritten Teil alles Grundes und Bodens im Reichesein eigen nannte und doch von den meisten Steuern be-freit war, nahm die reich bezahlten Hofämter, Offiziers-stellen und hohen geistlichen Würden als sein ausschließ-liches Vorrecht in Anspruch. Außerdem bezog er vieleMillionen jährlich vom König an Geschenken und Pen-sionen oder an Besoldungen für bloße Scheinämter, diegar keine Arbeit erforderten. Die Geistlichkeit, dieein zweites Drittel des französischen Bodens innehatte,erhob überdies noch vom Volke 150 Millionen an Zehntenund sonstigen Gebühren, trug aber ebenfalls an die Steuernso gut wie nichts bei. Diese fielen daher fast ausschließ-lich auf den drittenStand, die Bürger und die Bauern,und wurden noch vermehrt durch die schlechte Art ihrerErhebung. Die Regierung vermietete nämlich einen Teilder Abgaben an Steuerpächter, die ihr eine be-stimmte Summe bezahlten und dann durch ihre Ange-stellten das Doppelte und Dreifache vom Volke erpreßten.Zu den erdrückenden Steuern, die dem Staat und denSteuerpächtern bezahlt werden mußten, kamen für dieBauern noch die unablöslichen Feudallasten, dieGrundzinsen und Frondienste, die seit dem Mittelalterauf ihren Gütern hafteten, hinzu. Man hat berechnet, daßein französischer Bauer von 100 Franken Einkommen53 Franken als Kopf- und Grundsteuer an den König,.14 Franken an Feudalahgaben dem benachbarten Edel-mann und 14 Franken der Geistlichkeit als Zehnten ab-geben mußte. Und mit den 19 Franken, die ihm blieben,mußte er noch dem Staate übermäßig besteuertes Salz,das Pfund zu IV 2 Franken, abkaufen und die Abgabenauf Wein und andere Lebensmittel bezahlen. War es daein Wunder, daß der französische Bauer auf dem frucht-barsten Boden, durch die angestrengteste Arbeit nicht da-zu gelangte, sich und seine Familie auch nur vor demVerhungern zu schützen! Auf dem Land war das Hunger-sterben selbst in gewöhnlichen Jahren nichts Seltenes.

Oechsli, Allgemeine Geschichte.

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