dem in. einer berühmten Flugschrift Ausdruck: „Was istder dritte Stand? Alles. Was war er bisher im Staate?Nichts. Was will er sein? Etwas.“ Necker willfahrtediesem Verlangen insofern, als er dem dritten Stand (>00,dem Klerus und dem Adel dagegen nur je .‘500 Abgeordnetegewährte. Diese Verdopplung hatte dann einen Sinn,wenn in der Versammlung nach Köpfen abgestimmtwurde, statt nach Ständen. Allein Necker stieß auf soheftigen Widerstand am Hofe, daß er die Art der Abstim-• mung unentschieden ließ. Die Zeit der Wahlen nahte her-an. Eine ungeheure Aufregung bemächtigte sich der Ge-müter. Denn in ganz Frankreich herrschte nur e i n Ge-fühl, daß mit dem Zusammentritt der Reichsversammlungein neues Zeitalter für Land und Volk beginnen werde.
§ 55. Die französische Revolution.
1. Umwandlung der R e i c h s s t ä n d e in die5. Mai Nationalversammlung (Mai/Juni 1789). — Am1789 5 . Mai 1789 fand die feierliche Eröffnung der Reichsständeim Schloß zu Versailles statt. Alsbald brach aberüber der von Necker unentschieden gelassenen FrageStreit aus. Die bürgerlichen Abgeordneten hielten es fürselbstverständlich, daß die drei Stände eine Versamm-lung bilden müßten, in der nach Köpfen abgestimmtwürde. Der Adel dagegen belmrrte darauf, daß, wie voralters, jeder Stand für sich beraten und eine Stimmehaben sollte. Fünf Wochen verstrichen über fruchtlosenVerhandlungen. Da erklärten die Abgeordneten des drittenStandes auf Sieyes’ Antrag sich zur Nationalver-sammlung, d. h. zur Vertretung nicht bloß eines Stan-des, sondern der ganzen Nation, und luden die beiden an-dern Stände ein, sich mit ihnen zu vereinigen; sonst wür-den sie ohne Rücksicht auf sie zum Werke schreiten. Derergrimmte Adel bewirkte hierauf, daß ihr Sitzungssaalauf königlichen Befehl geschlossen wurde. Allein dieAbgeordneten ließen sieh dadurch nicht einschiichtern.