Sie begaben sieh in ein leer stehendes Gebäude, das ge-wöhnlich zum Ballspiel diente, und schwuren hier unterallgemeiner Begeisterung einen Eid, nicht auseinander-zugehen, bis sie dem Lande eine Verfassung gegeben hät-ten. Da berief der König, der sich inzwischen ganz fürden Adel hatte gewinnen lassen, die drei Stände zu einergemeinsamen Sitzung. In drohender Rede erklärte erdie eigenmächtigen Beschlüsse der Bürgerlichen für nullund nichtig, verordnete die gesonderte Beratung derStände und schloß mit dem Befehl an die Abgeordneten,sich sofort zu trennen und morgen in drei besondernSälen an die Arbeit zu gehen. Frohlockend folgte ihmder Adel, ebenso der Klerus. Die Bürgerlichen aber, diesich durch die Schwäche des Königs vor die Wahl gestelltsahen, ihm entweder offen Trotz zu bieten oder dann dieHoffnungen, die das Land auf sie gesetzt hatte, vernichtetzu sehen, blieben in dumpfem Stillschweigen sitzen. DerSaal war von Soldaten umstellt, und der königliche Zere-monienmeister wiederholte den Befehl zum Fortgehen.Da erhob sich der Graf Mirabeau, ein glänzend be-gabter Mann, der aber bei seinen Standesgenossen einenschlechten Ruf genoß und sich deshalb zum Abgeordnetendes dritten Standes hatte wählen lassen, und rief mitschallender Stimme: „Wenn Sie Auftrag haben, uns ausdem Saal zu entfernen, so lassen Sie sich auch Befehl zurAnwendung der Gewalt geben; denn wir werden unserePlätze nur vor den Bajonetten räumen!“ Ein Sturm desBeifalls erhob sich. Sieyes fügte hinzu: „Wir sind heute,was wir gestern waren; fahren wir fort in unsern Be-ratungen!“ Und der dritte Stand fuhr fort, als National-versammlung zu beraten, als ob nichts geschehen wäre.Der verblüffte König wagte nicht, den Befehl zur An-wendung von Gewalt zu geben. Ein Teil der Geistlich-keit und des Adels trat in den nächsten Tagen der Ver-sammlung aus freien Stücken bei, und dem Rest befahlLudwig XVI. selber, wegen der drohenden Stimmung derPariser nachzugeben. So hatte der dritte Stand durch
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