Beute- und Ruhmgier Platz. Doch machte sich dieser ver-änderte Geist erst recht bemerklich, als die oberste Kriegs-und Staatsleitung an einen mit erstaunlichen Feldherrn-gaben ausgerüsteten, aber auch von allem menschlichenGefühl und Gewissen entblößten Mann überging, an N a-poleon Bonaparte.
§ 56. Napoleon Bonaparte.
1. Bonapartes erster Feldzug in Italien(1796/97). — Als die neue Verfassung der französischenRepublik in Kraft trat, standen auf dem Festland nurnoch Österreich und Sardinien gegen sie unterden Waffen. Nun stellte das Direktorium, die neueRegierung, den 27,iährigen General B o n a p a r t e an dieSpitze einer Armee, welche in die damals österreichischeLombardei eindringen sollte. Napoleon Bonapartestammte aus einer armen Adelsfamilie in Korsika, 1769welches halbwilde Eiland gerade um die Zeit seiner Ge-burt von der Stadt Genua an die Franzosen abgetretenworden war. Zur militärischen Laufbahn bestimmt,machte er die Militärschulen zu Brienne und Paris durchund trat dann als Unterlieutenant in die Armee ein. Aberarm und ohne einflußreiche Gönner am Hofe, hatte erkeinerlei Aussicht, je zu höheren Rangstufen emporzu-steigen. Da brach die Revolution aus, und eifrig schloßsich der junge Offizier der Bewegung an, weil sie seinemverzehrenden Ehrgeiz eine unermeßliche Bahn eröffnete.
Beim Ausbruch des Krieges zum Artilleriehauptmann er-nannt, zeichnete er sich bei der Wiedereroberung desfranzösischen Kriegshafens Toulon aus, dessen Be- 1798wohner aus Ingrimm über die Schreckensherrschaft sichan die Engländer übergeben hatten, und wurde deshalbzum Artilleriegeneral befördert. Die erbarmungslose Ener-gie, mit der er den Aufstand der Monarchisten in Paris 1795niederwarf, sowie das seltene Talent, das Carnot in ihmentdeckt hatte, verschafften ihm endlich 1796 den Ober-