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ruft Horaz dem Kaufmann zu, daß dir in dem Hafen keiner zuvorkomme,damit du nicht die cibyratischen und bithynischen Geschäfte verlierst! DerHandel aberumspannte die Welt, vom heißen Süden bis zum eisigen Norden,vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang. Nicht nur Indien, sondernsogar das Sererland (China) waren dem römischen Kaufmann vertraut,römische Münzen sind im ganzen Norden Deutschlands gefunden undzeugen für den regen Handelsverkehr mit Rom. Aber nicht nur die Römerund Jtaliker betrieben den Handel, sondern alle Länder beteiligten sichdaran, und besonders die orientalischen bevölkerten die Landstraßen.„Syrer" ist im 5. Jahrhundert gleichbedeutend mit „Bankier" (wie imMittelalter Lombarde). Man spricht von den Massen der „Kaufleute undSyrer."
Daneben gab es aber zahlreiche andere Berufsarten, die zumReisen zwangen, wahrscheinlich mehr als heute, wo Briefpost, Fern-sprecher und Presse so manche Reise unnötig machen, die im Altertumunumgänglich war. So war das Bedürfnis, sich durch Anschauung zubelehren, vielleicht größer als in neuerer Zeit. Aber nicht nur die eigent-lichen Gelehrten von Beruf machten große Reisen: auch ohne solchemittelbaren Zwecke führte schon das Streben nach vielseitiger Bildungzu weiten Wanderungen. Es war deshalb sehr gewöhnlich, daß jungeManne auf längere Zeit auf Reisen geschickt wurden, um sich zu bilden,und „über die Grenzen der Heimat zu erheben". Daß die hohen Schulenvon Athen und Rhodos von römischen Studenten zahlreich besucht waren,weiß man aus Cicero, von Cäsar und vielen anderen. Auch Antiochiain Syrien ist uns aus Cicero als eine berühmte und volkreiche Stadt, dievon den gelehrtesten und den edelsten Studien voll war, bekannt. Ale-xandria war so sehr der Mittelpunkt aller Künste und Wissenschaften, daßman die ganze Zeit von 200 v. Chr. bis 200 n. Chr. „das AlexandrinischeZeitalter" genannt hat.
Während hier an dem Mittelpunkte der Kultur bildungsbeflisseneJünglinge zusammenströmten, führten anderseits die Gelehrten ein un-ruhiges Wanderleben, um Ruhm und Reichtum zu erwerben — sehrähnlich den Gelehrten der Renaissance. Und Scharlatane und Quack-salber taten es ihnen natürlich nach. Künstler und Kunsthandwerkermußten ihr Brot an den Stellen suchen, wo ihre Kunst gebraucht wurde.Am unstätesten war auch schon damals das Leben der Bühnenkünstlerund auch der „Artisten", wie wir sagen würden, der Gaukler und Wahr-sager, Athleten und Musikanten.
So sind die Gründe des Reifens gar mannigfaltig, schon sofernwir nur die in den natürlichen Bedürfnissen des Berufs liegenden insAuge fassen. Selbstverständlich aber sind gar viele Reisen auch unter-nommen bloß aus Wanderlust: die eigentlichen Touristenreisen.„Vieler Menschen Städte zu sehen und Sitten zu lernen," trieb es auchim Altertume viele hinaus. Zahllose Zeugnisse liegen darüber vor, und