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Lehrbuch der Zoologie / von Richard Hertwig
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Entwicklung der systematischen Zoologie.

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Was weiter (las Auftreten des Christentums anlangt, so führte ^^tteSftere 3weltfiüchtige Charakter, welcher anfänglich der christlichen Weltauffassung ltteaters -eigentümlich war, zu einer Abneigung gegen jede geistige Beschäftigungmit Naturobjekten. Es kam eine Zeit, in der man Fragen, welche durchdie einfachste Beobachtung gelöst werden konnten, durch mühsames ge-lehrtes Durchstöbern der Werke maßgebender Autoren zu entscheidensuchte. Bezeichnend für diese das ganze Mittelalter beherrschendeGeistesrichtung ist der Physiologus oder Bestiarius, ein Buch, auswelchem die Verfasser mittelalterlicher zoologischer Schriften vielfach ge-schöpft haben. Das Buch nennt in seinen verschiedenen Auflagen undAusgaben etwa 70 Tiere, darunter viele Fabelwesen: Drache, Einhorn,

Phönix etc. Auch sind die über die einzelnen Tiere mitgeteilten Er-zählungen sehr häufig Fabeln, zum Teil aus vorchristlicher Zeit stammendund erfunden, um religiöse oder ethische Lehren zu erläutern. Es gibtzwar Ausnahmen von dieser allgemeinen Charakteristik, vor allem derDominikaner Albertus Magnus und der Augustiner Thomas Can-timpratensis. Von Albertus Magnus steht es fest, daß er in seinenzoologischen Schriften sich bemühte, wo es ihm nur möglich war, sichauf eigene Beobachtungen zu stützen. Aber daß diese Anfänge wissen-schaftlicher Denkweise kaum Wiederhai] fanden, trägt nur dazu bei, dieoben gegebene allgemeine Charakteristik zu stützen.

Als nach Ausgang des Mittelalters das Interesse an Wissenschaft- wotton.lieber Forschung von neuem erwachte, begann man auf die ausschließ-lich von naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten geleitete Betrachtungs-weise des Aristoteles zurückzugreifen. In diesem Sinn kann als einEineuerer des Aristoteles der Engländer Wotton bezeichnet werden,welcher 1552 sein Werkde differentiis animalium schrieb, in welchemer das System des Aristoteles im wesentlichen kopierte, nur daß erdie Gruppe der Pflanzentiere oder Zoophyten neu aufnahm. Indessenschon der Titelüber die unterscheidenden Merkmale der Tiere läßterkennen, daß von dem reichen Schatz des Aristotelischen Wissens vor-wiegend die systematischen Resultate Aufnahme gefunden haben: und soinauguriert denn auch das Werk Wottons die Periode der systematischenZoologie, welche in dem Engländer Ray, noch mehr aber in Linne ihreglänzendsten Vertreter gefunden hat.

Linne, Sprößling einer schwedischen Pfarrersfamilie, welche ihren i,inn6.NamenIngemarsson nach einer Linde in ihrer Heimat in Lindeliusverwandelt hatte, wurde im Jahre 1707 in Rashult geboren. Von seinenLehrern für untauglich zum Studium erklärt, wurde er durch den Einflußeines Arztes, der die glänzenden Gaben des Knaben richtig erkannte,vor dem Schicksal, das Schusterhandwerk zu lernen, bewahrt und fürdas medizinische Studium gewonnen. Er studierte in Lund und Upsala,machte als junger Mann von 28 Jahren ausgedehnte Reisen nach demKontinent und gewann sich schon damals die Anerkennung der hervor-ragendsten* Fachgenossen; 1741 wurde er Professor der Medizin in Upsala,wenige Jahre später Professor der Naturgeschichte; er starb 1778.

Linnes wichtigstes Werk ist seinSystema Naturae, welches imJahre 1735 in erster, im Jahre 176668 in XII. Auflage erschien undsogar nach seinem Tode eine letzte (XIII.) von Gmelin besorgte Auflageerlebte. Dasselbe ist Grundlage geworden für die systematische Zoologie,indem es zum ersten Male 1. eine schärfere Gliederung des Systems,

2. eine bestimmte wissenschaftliche Terminologie, die binäre Nomenklatur,