Wirbeltiere.
463
VII. Stamm.
Vertebraten oder Wirbeltiere.
Die Wirbeltiere gehören wie die Arthropoden und Anneliden zu Gliederung,den gegliederten Tieren, unterscheiden sich aber von ihnen durch dengänzlichen Mangel der äußeren Gliederung, der Ringelung der Körper-oberfläche. Nur die segmentale Anordnung der inneren Organe:der Muskeln (Myotonie, Myomere, Myoconnnata, Muskelsegmente, beimEmbryo Urwirbel), der Nerven (Neurotome), des Skeletts (Sclerotome)und der Blutgefäße läßt die Metamerie des Körpers erkennen, amdeutlichsten bei den niederen Formen, den Fischen , weniger deutlich undfür die meisten Organe nur in der Embryonalanlage nachweisbar beiVögeln und Säugetieren. Zum Teil hat der Mangel der äußeren Glie-derung seinen Grund in der ausgeprochenen Heteronomie des Wirbel-tierkörpers und in der hiermit zusammenhängenden, die Grenzkonturen ver-wischenden Vereinigung der Segmente zu Segmentkomplexen oder Körper-regionen, deren man mindestens 3 (Kopf, Rumpf und Schwanz), meistsogar 6 (Kopf, Hals, Brust, Lenden oder Bauchregion, Becken-oder Sacralregion und Schwanz) unterscheidet. Noch wichtiger jedochist für die äußere Erscheinung die Beschaffenheit des Skeletts. DasCuticularskelett, welches bei den Arthropoden Veranlassung für die deut-liche Ringelung ist, fehlt den Wirbeltieren gänzlich; die Haut bleibtweich oder ist nur in untergeordnetem Maße, mehr zum Schützen alszum Stützen, an der Skelettbildung beteiligt (Hautskelett der Fische ,Krokodile, Schildkröten etc.). Dafür bildet sich in der Achse desKörpers festes Gewebe aus, welches uns bei den allerniederstenWirbeltieren und auf frühen Embryonalstadien als Rückensaite oderChorda dorsalis entgegentritt, sonst aber sich zu Wirbelsäule undSchädel höher entwickelt. Es v T ar ein Zeichen großen systematischenund vergleichend-anatomischen Scharfblickes, daß Lamarck den Namen„ Wirbeltiere “ einführte. Noch heute wird mit Recht die durch CuviersTypentheorie zur allgemeinen Geltung gelangte Bezeichnung beibehalten,wenn wir auch mit Rücksicht auf die wenigen Formen, welche an Stelleder Wirbelsäule nur die Chorda dorsalis besitzen, gezwungen sind, dieDefinition weiter zu fassen, als Lamarck, und anstatt von Tieren mitWirbelsäule von Tieren mit Achsenskelett zu sprechen.
Wenn wir den Amphioxus ausnehmen, welcher noch von einem Integument,einschichtigen Cylinderepithel bedeckt ist, unterscheidet sich die Hautder Wirbeltiere (Fig. 26, S. 63) von dem Integument aller wirbellosenTiere durch zw r ei Merkmale: 1. die Vielschichtigkeit der Epidermis (Ep),
2. die bedeutende Dicke der Lederhaut (Co). Die Epidermis ist nurbei den Fischen und Amphibien noch von einer zarten Cuticula bedeckt,solange nämlich alle Schichten der Epidermis noch von protoplasmatischen,hinfälligen Zellen gebildet werden (Fig. 26a). Meist ist eine solche cuti-culare Abgrenzung überflüssig und schwindet daher, indem — besondersbei Landbewohnern — die oberflächlichen Zellenlagen der Verhornungunterliegen, d. h. eine Uimvandlung ihrer weichen Zellsubstanz in Keratinerfahren und dadurch auch ohne Cuticula die genügende Widerstands-fähigkeit erhalten (Fig. 26b). Man unterscheidet dann am Epithel zweiHauptschichten, das tiefere Stratum Malpighii (s.. M.) und das ober-flächliche Stratum corneum (.sw). — Der zweite Bestandteil des Integu-ments, die Leder haut oder das Corium (Co), gehört seiner Ent-