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Leitfaden für den Unterricht in der Naturkunde an Sekundarschulen / von H. Wettstein
Entstehung
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Vorbemerkungen zur zweiten Auflage.

Der Unterricht in der Naturkunde muss von der Anschauung aus-gehen. Yom einzelnen Gegenstand und Experiment aus sind die über-geordneten Begriffe und Gesetze zu gewinnen. Diese Ableitungen undEntwicklungen muss der Schüler an der Hand des Lehrers selber machen,wenn der Unterricht das Beobachtungs- und Denkvermögen stärken undnicht in eine blosse Gedächtnisübung ausarten soll; sie dürfen ihm daher „nicht im Leitfaden mitgeteilt werden. Dieser verfährt mehr andeutungs-weise, bietet den Stoff' in solcher Ordnung, dass eine entwickelnde Be-handlung desselben möglich ist und gibt die notwendigsten Anhaltspunktefür die auf den mündlichen Unterricht folgende stille Beschäftigung undAneignung. Er hat also keineswegs die Prätension, die Tätigkeit desLehrers zu ersetzen, er will sie nur erleichtern. Diesem einen Hülfsmittelmüssen noch andere zur Seite stehen, wenn der Zweck des Unterrichtserreicht werden soll. So wird man den botanischen Teil so beginnen, dassman die Entwicklung der jungen Pflanze aus dem Samen vor den Augender Schüler vor sich gehen lässt. Hierauf wird man lebende Pflanzen zurBetrachtung und Beschreibung vorlegen, am besten Repräsentanten derKlassen. Es ist unwesentlich, dass sie in der Reihenfolge vorgenommenwerden wie im Leitfaden; es hat auch wenig zu sagen, wenn man stattder hier aufgeführten andere behandelt; unerlässlich ist nur, dass wirklichlebende Gewächse nach entwickelnder Methode betrachtet werden. Ebensowird man bei der Betrachtung der Arten des Pflanzenreichs sich möglichstauf unmittelbare Beobachtung teils von vollständigen Pflanzen, teils vonPflanzenprodukten stützen. Bei der Lehre von Bau und Leben der Ge-wächse ist der Gebrauch eines Mikroskops und mikroskopischer Präparateunentbehrlich.

In analoger Weise verfährt man bei der Zoologie. Der Gang ist hierinsofern ein anderer, als ein Repräsentant des gesamten Tierreichs zumvoraus nach seinem äussern«und innern Bau betrachtet wird. Es wäredieser Weg auch bei der Botanik eingeschlagen worden, wenn nicht zweiGründe davon abgehalten hätten. Erstens fehlt nämlich ein Gewächs,welches im Pflanzenreich eine ähnliche Stellung einnähme wie der Menschim Tierreich, so dass man es als obersten Repräsentanten, als höchst ent-wickeltes Glied desselben betrachten könnte. Zweitens kann der innereBau der Pflanze nur mit Hülfe des Mikroskops erkannt werden; es istaber die Beobachtung mit bewaffnetem Auge viel schwieriger als die mit