Band 
Erster Kursus.
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Alte Geschichte.

Ein widriger Wind verhinderte lange das Auslaufen der Flotte. Dabefragte man wegen der Ursache den Seher Kalchas: „Ihr müßt," ant-Jphigenia. wertete dieser, „Agamemnons Tochter, Jphigenia, opfern." — Alle er-schraken, am meisten des Mädchens Vater. Nach langem Widerstreben abermußte Agamemnon einwilligen, daß sein Kind für das allgemeine Beste hin-geopfert würde. Schon war die Jungfrau herbeigeholt, schon rauchte derAltar, schon zuckte der Priester das Messer — da entrückte die Göttin Ar-temis (S. 2 Anm. I) das Mädchen in einer Wolke, und als sich dieseverzog, stand ein Reh da. Dieses wurde geopfert. Jetzt wandte sich derWind, die Flotte lief aus und landete glücklich an der trojanischen Küste.

Ankunstvor 3. Troja war eine stark befestigte Stadt und hatte hohe Mauern mitTroja, mächtigen Türmen. In ihr befand sich ein zahlreiches Heer der Trojanerund ihrer Verbündeten; an der Spitze desselben stand des Priamus ältesterSohn, Hektor, welcher es an Mut und Tapferkeit mit jedem Griechen auf-nahm. Die Griechen mußten zu einer förmlichen Belagerung der feindlichenStadt schreiten. Auf der weiten, Troja umgebenden Ebene bauten sie daherein großes Lager mit zahlreichen Hütten und Gezeltcn und umgaben es zurSicherheit mit einem breiten Graben. Die an das Land gezogenen Schiffebildeten gleichsam die Vormauer. Der weite Zwischenraum zwischen derStadt und dem Schiffslager der Griechen war der tägliche Schauplatz fürdie Heldenthaten beider Nationen.

Kampfweise Die Anführer kämpften gewöhnlich auf Streitwagen, die mit zweiund Waffen, oder drei Rossen bespannt waren, die Gemeinen zu Fuß; Reiterei hatte mannoch nicht. Die Waffen bestanden aus Lanzen, Schwertern, Wurfspießen,Schleudern, Bogen und Pfeilen; waren die Waffen verbraucht, so griff manzu großen Steinen. Zum Schutz dienten hohe, kegelförmige Helme, Brust'Harnische und Beinschienen, alles von Erz, und große Schilde, die gewöhn-lich mit Nindshäuten überzogen und mit Erz ausgelegt waren. Wenn sichdie Schlachtreihen einander gegenüber gestellt hatten, so kam gewöhnlich einFürst mit seinem Streitwagen auf den freigelassenen Platz in die Mitte ge-fahren, rühmte laut seine edle Abkunft und forderte trotzig einen feindlichenAnführer zum Zweikampf heraus. Die Heere sahen dann dem wildenKampfe zu. Aber sobald der eine oder der andere siel, wurden sie um dieRettung der Leiche handgemein. Nach der Schlacht trat zumeist einWaffenstillstand von mehreren Tagen ein, um die Leichen zu verbrennen unddie Totenfeste zu feiern. Dann begann der Kampf von neuem. Siege undVerluste wechselten auf beiden Seiten.

Hektors 4. Als einst Hektor wieder zum Kampfe hinaus wollte auf die EbeneAbschied.gor Troja, fand er seine Gattin Andromache auf einem Turme derMauer, von wo sie auf den Andrang der Feinde jammernd herabschaute.Bei ihr war ihr einziges Söhnchen Astyanax, das die Wärterin ihr nach-trug. Da kam Hektor. Sobald sie ihn bemerkte, eilte sie ihm entgegen,hinter ihr die Amme mit dem Kinde, auf dem des Vaters lächelnder Blickzuerst ruhte. Freundlich drückte ihm Andromache die Hand und sprach mitthränenden Augen: „Teuerster Mann, dich wird dein Mut noch ums Lebenbringen. Erbarme dich doch deines stammelnden Kindes und deines unglück-lichen Weibes. Gewiß, gewiß töten dich noch die Griechen. Ach! baldwerde ich Witwe sein. Wenn aber du weg bist, habe ich keinen Trost. Ich