Achilles 1200 vor Chr.
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habe ja keinen Vater und keine Mutter mehr. Jenen erschlug mit siebengeliebten Brudern an einem Tage der starke Achilles. Du, teurer Hektor,bist mir jetzt Vater, Mutter und Bruder. Erbarme dich meiner und bleibehier, daß ich nicht zur Witwe und dein armes Kind zur Waise werde!"
„Ach, liebes Weib," erwiderte Hektor, „das alles betrübt mich genug;aber kann ich anders? Müßte ich mich nicht vor Trojas Männern, jaselbst vor euch Weibern schämen, wenn ich der Schlacht auswiche? Auchder angeborene Mut treibt mich hinaus ins Feld. Freilich sagt es mir meinGeist: Einst wird kommen der Tag, da die heilige Jlios hinsinkt, Priamusselbst und das Volk des lanzcnkundigen Königs. Doch alles Elend derteuren Vaterstadt beunruhigt mich nicht so, als dein künftiges Schicksal, duliebes Weib. Wehedir, wenn einst ein stolzer Grieche dich als weinende Sklavinhinwegführt, Dann werden die Leute, auf dich hinweisend, sagen: Seht, dieda Thränen vergießt, war einst Hektors Weib, des Tapfersten unter denTroern. Dann wird der Kummer um mich in dir neu erwachen; ich aberwerde dann nicht mehr sein, meine Asche deckt dann längst der Grabhügel!"
Nun wandte er den Blick nach dem kleinen Knaben und hielt ihm dieoffenen Arme entgegen; aber das Kind fürchtete sich vor dem wallendenHelmbusch und schmiegte sich ängstlich an die Amme. Freundlich sah derVater sein Kind an, setzte den Helm ab, legte ihn auf die Erde undnahm nun das Kind auf den Arm. Herzlich küßte er es, wiegte es sanftmit den Armen, richtete den frommen Blick gen Himmel und sprach: „Gü-tige Götter, erhört mein Gebet, daß mein Knäblein tapfer werde und stark,daß er vorstrebe vor anderen, damit man einst sage: der ist noch besser alsfein Vater! Wenn er dann siegreich heimkehrt, die Siegeszeichen tragend,dann freue sich herzlich die Mutter!" — Mit diesen Worten reichte erthränenden Blickes das Kind der zärtlichen Gattin, die es innig an sichdrückte; Hektor aber streichelte sie und sprach mit sanfter Stimme: „ArmesWeib, traure nicht zu sehr in deinem Herzen. Ohne den Willen der Götterwird mir keiner das Leben nehmen; meinem Verhängnisse freilich kann ichnicht entrinnen. Nun gehe in dein Gemach, besorge deine Geschäfte beiSpindel und Webstuhl und halte die dienenden Weiber zur Arbeit an. DerKrieg aber gebühret den Männern!" Hierauf fetzte er den Helm auf undriß sich los von den Seinen. — Weinend schlich Andromache nach Hause,oft noch sich umwendend und heiße Thränen vergießend.
5. Wohl manchen Kampf bestand Hektor gegen die Griechen, die fastden Mut verloren und mehr als einmal daran waren, nach Hause zu segeln.
Denn Achilles hatte sich mit Agamcmnon veruneinigt und sich vom Kriegezurückgezogen. Da geschah es, daß einst bei einem heftigen Treffen Hektorund der Grieche Patroklus, des Achilles Freund, zusammenstießen, und es Tod desgelang jenem, diesen zu töten. Nun fuhr Achilles auf, wie eine Löwin, der Patroklus.man die Jungen geraubt hat. Er war außer sich vor Schmerz, warf sichweinend zur Erde und bestreute sich Haare und Kleid mit Staub. Dannermannte er sich und schwur dem Geiste des entschlafenen Freundes, blutigeRache an Hektor zu nehmen. Sogleich verlangte er eine Schlacht, umseinen Todfeind zu finden. Fürchterlich wütete er auf dem Felde umher,schon seine Stimme machte die Troer zittern; er erschlug eine Menge vonihnen, aber ihr Blut konnte ihn nicht versöhnen, er lechzte nach dem des