Attila 444.
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vernichtendes Ungewitter ging der Zug durch Süddeutschland an der Donauaufwärts, bei der Neckarmündung über den Rhein (Karte I.). Alle Städte undOrtschaften wurden in Brand gesteckt, die Einwohner ermordet. Schrecken gingvor ihm her, und eine Wüste blieb hinter ihm. Mit Feuer und Schwert dran-gen die Hunnen und ihre Bundesgenossen nordwestlich ziehend in Gallien ein.
Attilas Scharen verwüsteten zunächst die Gebiete der Franken * undRömer, bedrohten aber auch die Besitzungen der Burgunder» und Westgoten'.
Da vereinigten sich die bisher feindlichen Völker zu gemeinsamer Abwehr.
Der römische Feldherr Avtius verband sich mit den Westgoten und rief dieFranken und Burgunder zur Hilfe. Auf den Katalaunischen Feldern^ Katalau-traf der Länderstürmer auf seine Gegner. Es war an einem Herbsttag des nische FeldertJahres 451, als die große Schlacht geschlagen wurde. Des Blutes ward so ^ -viel vergossen, daß der Sage nach ein Bach, der mitten durch das Schlacht-feld floß, durch das viele Blut der Erschlagenen also anschwoll, daß selbstLeichname darin fortschwammen. 160000 Leichen bedeckten den Kampfplatz.
Die Römer und ihre Bundesgenossen siegten; die Gottesgeißel wurde diesmalselber gegeißelt. Mit dem Reste seines Heeres kehrte Attila nach Ungarn zurück.
Doch war Attila noch mächtig genug, schon im nächsten Jahre (452) Attilas ZugItalien anzugreifen. Er hatte um die Hand der Honoria, der Schwester »ach Italiendes Kaisers Valentinian des III. (425—455), angehalten. Als man sie ihmverweigerte, zog er mit einer furchtbaren Macht über die Alpen und lagertesich unter den Mauern des festen, volkreichen Aquileja? (Karte III.). Nachhartnäckiger Gegenwehr ward die Stadt genommen und zerstört. Da inihr die Vormauer Italiens gefallen war, stand der ganze obere Teil desblühenden Landes den feindlichen Verheerungen offen. Die Bewohnerflüchteten sich auf die kleinen Inseln in der nordwestlichen Bucht des Adri-atischen Meeres und siedelten sich dort an. Davon hat die Stadt Vene-dig (Karte III.) ihren Ursprung (452).
Italien geriet über die Fortschritte der Barbaren in dumpfe Verzweiflung.
Der unkriegerische Kaiser Valentinian verließ das feste Ravenna^ undfloh nach Rom. Attila aber schlug am Flusse Mincio, wo dieser in den Potritt (Karte III.), sein Lager auf. Da kam aus der Stadt, welche einst dieWelt beherrschte und jetzt kein Heer mehr hatte und keinen Mut, der BischofLeo I., ein würdiger Greis. Wehrlos, aber gerüstet mit der Kraft des Herrn, Leo i.trat er vor den finstern Hunnenkönig, inmitten seiner Heerscharen, und griff 452.
mit Bitten und weisen Reden an sein trotziges Herz. Und siehe — es ge-lang dem gottbegeisterten Priester, was kein Kriegsheer vermocht hatte — Romvon der Geißel Gottes zu retten. Es mögen auch die Geschenke sehr wirk-
» Die Franken, ein Verein deutscher Völkerschaften, die zuerst ums Jahr 200vor Chr. vorkommen und vom rechten Rheinufer bis zur Weser, südlich bis jenseitsdes Mains wohnten, dann aber (410) sich auch des nördlichen Galliens bemäch-tigten. — Die Burgunder, ein deutsches Volk, das ursprünglich zwischen Oder undWeichsel, nördlich von der Netze wohnte. Sie zogen südwestlich und nahmen 406ihre Wohnsitze im südöstlichen Gallien zwischen Rhone und Aar. — Die West -aotsn (S. 74) waren von Thracien durch Italien nach Gallien gezogen und hattensich des westlichen Galliens und ganz Spaniens bemächtigt. — DenRömern war von den beiden Provinzen, Spanien und Gallien, nur ein Landstrichin der Mitte Galliens geblieben. — Vgl. Karte I.
r Die Katalaunischen Felder heißt die weite Ebene bei Chalons (Karte I.)an der Marne (rechtem Nebenfluß der Seine). — Aquileja, Stadt an der Nord-küste des Adriatischen Meeres. — Ravenna, Stadt in Oberitalien, unweit derWestküste des Adriatischen Meeres.