94
Mittlere Geschichte
„Boni-
facius"
723,
in Thürin-gen undHessen724.
Die Eichezu Geismar
Gründungvon Kirchenund
Klöstern.
Bonifaz
Erzbischof
732.
Pipin
752.
Rom. Hier ward er zum „Bischof von Deutschland" unter dem NamenBonifacius (Wohlthäter) geweiht, nachdem er gelobt hatte, die Deutschenzu verpflichten, im Papst zu Rom ihren geistlichen Oberherrn anzuerkennen.Zugleich bat der römische Bischof die fränkischen Großen, denselben beiseinem frommen Geschäfte zu unterstützen. Im Jahre 724 ging Bonifazabermals nach Mitteldeutschland und predigte das Christentum in Thüringenund Hessen bis an die Grenze der Sachsen.
Aber nicht bloß durch das begeisterte Wort, sondern auch durch die be-herzte That gewann er das Volk für die neue Lehre. Bei Geismar'stand auf hohem Berge die heilige Eiche des Donnergottes Thor. Dorthinzog Bonifaz mit seinen Begleitern, als daselbst viel Volk versammelt war.In bischöflichem Gewände, mit dem Hirtenstabe in der Hand, trat Bonifazunter die Menge. Mit fester Hand legte er die Axt an den Baum, wäh-rend die umstehenden Heiden meinten, des Gottes Zorn würde den Ver-wegenen treffen. Aber bald stürzte die gewaltige Eiche nieder, die Kronezerbrach und der ganze Baum siel in vier Stücke auseinander. Als dasdie Heiden sahen, sagten sie sich los von ihrem alten Glauben und ließensich taufen. Bonifaz aber errichtete aus dem Holz der gefällten Eiche eineKapelle, die er dem Apostel Petrus weihte.
An geeigneten Orten wurden hierauf Kirchen und Klöster gestiftet, undBonifaz ließ von England Priester, Mönche und Nonnen kommen und ver-teilte sie als Gehilfen in den bekehrten Landen, wobei es ihnen zur Pflichtgemacht wurde, Gärten anzulegen, Bücher abzuschreiben und zu Bibliothekenanzusammeln.
Im Jahre 732 ernannte der Papst den Bonifaz zum „Erzbischof"^von Deutschland. Als solcher errichtete er Bischofssitze^ in den deutschenGauen, soweit sie christlich waren, und ordnete sämtliche christliche Gemein-den zu einem wohlgegliederten Ganzen, dessen Oberhaupt Rom war. Wegendieser vieljährigen apostolischen Wirksamkeit in einem großen Teil unseresVaterlandes ist Bonifacius der „Apostel der Deutschen" genannt worden.
Im Jahre 74ö wurde Bonifacius zum Erzbischof von Mainz ernannt,und als solcher weihte er (752) nach dem Willen des römischen Bischofsden bisherigen Großhofmeister Pipin zum Könige der Franken.^
Zwei Jahre später (754) unternahm der bejahrte Kirchenfürst seineletzte Missionsreise. Von Priestern begleitet, durchzog der ehrwürdige GreisFries land, predigte und taufte. Bereits war er bis in die Gegend desheutigen Dokkum, an der Nordküste des Zuidersees, vorgedrungen und hatte
> Geismar, im Hessengau. jetzt Dorf in der Provinz Hessen an der Esse(Nebenfluß der Eder, diese ein Nebenfluß der Fulda).
2 Erzbischos d. i. Oberbischof. Die Silbe Erz-, von dem griechischen arodi,bezeichnet das Ausgezeichnete in seiner Art, z. B. Erzengel, Erzvater rc.
2 Die bedeutendsten damaligen Bistümer sind in Süddeutschland: Passau,Regensburg, Salzburg, in Franken: Würzburg, in Thüringen: Erfurt.
4 Der Großhofmeister, Hausmeier, major äomus, regierte im Namen desKönigs das Reich der Franken (S. 93 Anm. 1). — Pipin der Kleine wollte nichtlänger der Diener eines Schattenkönigs sein. Er ließ daher bei dem Bischöfe vonRom, dessen Wort bei den Franken viel galt, anfragen, „ob es besser sei, daß der-jenige König sei und heiße, welcher alle Macht besitze, oder der, welcher nur denNamen führe?" Die Antwort war, wie Pipin sie wünschte: „Es scheint mir besserund nützlicher, daß derjenige König sei und heiße, der alle Gewalt in den Händenhat!" Hierauf schickte Pipin den König Childerich in das Kloster und erklärte sichzum König der Franken (751—768).