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Mittlere Geschichte.
Böhmen.
Baiern.
Franken.
Die deut-schen Her-zogtümer
bei demHauseSachsen.
sich Otto mit den Bischöfen und Edlen in die Kaiserpfalz, wo das Krönungs-mahl gehalten wurde. Bei diesem zeigten sich zuerst die später üblich gewordenenErzämter. Die Leitung des ganzen Festes, die Einrichtung der Gemächerzur Aufnahme des Königs und der Großen hatte der Herzog von Lothringen,in dessen Gebiet Aachen lag, übernommen i er war „Erzkämmerer." DerHerzog von Franken sorgte als „Erztruchseß"' für die Speisen, der Herzogvon Schwaben hatte das Amt des „Erzmundschenken" und dem Herzogevon Baiern, dem „Erzmarschall"', war die Unterbringung der Ritter undihrer Rosse übergeben.
2. Während Heinrich I. sich vor allem als Herzog von Sachsen ge-fühlt und seine Macht in seinem Stammlande gesucht hatte, mochte Ottosich den deutschen Herzögen nicht mehr gleichstellen. Seine Ansicht von demKönigsamt war eine sehr hohe; er betrachtete die Herzöge als seine Be-amten und Lehnsträger, welche er, wenn sie sich gegen ihn oder das Reichvergangen, absetzen dürfe.
Den ersten Streit hatte Otto mit dem Böhmenhcrzog Boleslaw, weildieser 936 die Lehnspflicht verweigerte. Der Kampf zog sich aber in dieLänge und wurde erst nach 14 Jahren <950) durch Ottos Freund, dentapferen Hermann von Billung, beendigt und gleichzeitig Herzog undLand dem Christentum gewonnen. — Darnach hatte Otto das königlicheAnsehen in Baiern aufrecht zu erhalten. Dort war Herzog Arnulf (937)gestorben, und der älteste Sohn desselben wollte das Land nicht vom Königzu Lehen nehmen. Otto erklärte den Sohn des Herzogtums für verlustigund sprach es Arnulfs Bruder Berthold zu.
Gefährlicher war Ottos Krieg gegen Eberhard (S. 104) von Frankenund seine eigenen Verwandten. — Eberhard hatte auf eigene Hand einensächsischen Großen befehdet, weil dieser ihm die Lehnspflicht versagt. Darobwaren er und seine Dienstmannen von Otto hart bestraft worden. Aus Racheschloß Eberhard einen Bund mit Ottos älterem Bruder Thankmar, dersich wegen Schmälerung seiner Erbschaft gegen Otto empört hatte. Thankmarfiel (938) bei der Einnahme von Eresburg, Eberhard aber erhielt Verzeihung.Darauf erhob sich, von dem begnadigten Eberhard aufgereizt, Heinrich,Ottos jüngerer Bruder, um selbst die Krone zu gewinnen. Er trat in Unter-handlungen mit seinem wankelmütigen Schwager, dem Herzog Giselbertvon Lothringen, begab sich zu diesem und begann (939) den Aufstand.Aber Otto blieb Sieger: in einem Gefechte bei And ernach? wurde Eberhard,welcher sich den Unruhestiftern zugesellt, erschlagen, und Giselbert ertrank aufder Flucht im Rhein. Hnnrich aber mußte sich nach wiederholten Nieder-lagen vor seinem Bruder demütigen, der ihm großmütig verzieh.
Mit diesen Siegen war der Widerstand der Herzöge zur Zeit gebrochen.Um jedoch die königliche Macht noch mehr zu befestigen, suchte Otto so vielals möglich die Herzogtümer an Angehörige seines Hauses zu geben. Seinenältesten Sohn Ludolf vermählte er mit der Tochter des Herzogs von SchWa-ben (Hermanns dem dann jener in der Herzogswürde folgte; Lothringen
> Truchseh, der Vorgesetzte des Trosses (vom altdeutschen trudt, das Gepäck),im mittelalterlichen Königtum derTafelmeister. —Marschall, von Mar. d. h. Mähre,Roß, und Schalk, d. h. Knecht Diener, ist derjenige, der für die Rosse sorgt. —Über die Vorsilbe Erz s. S. 94 Anm. 2.
2 An der nach, Stadt am linken Rheinufer, unterhalb Koblenz.