Band 
Erster Kursus.
Seite
175
JPEG-Download
 

Der Dreißigjährige Krieg 1018—1648.

175

Nach dem Falle Magdeburgs überschwemmte Tilly Kursachsen undließ dasselbe furchtbar brandschatzen. Da endlich schloß der bedrängte Jo-hann Georg I- ein Bündnis mit den Schweden, und Gustav Adolf ge-wann einen herrlichen Sieg über Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld' Breitenfeld(17. September 1631). — Der besiegte Tilly wandte sich hierauf nach 1631.

Westfalen, der siegreiche König aber zog durch Thüringen und Franken bisan den Rhein und besetzte Mainz. Da indes die Sachsen auch in Prageingezogen waren, so sah sich der Kaiser, um den Siegeslauf seiner Feindezu hemmen, zur Wiederberufung Wallensteins genötigt. Wallen-

2. Wallenstein antwortete den kaiserlichen Gesandten, welche ihn steinsdringend um Übernahme des Oberbefehls ersuchten: „Es thut mir leid, daß^-AA^A"kaiserliche Majestät sich in solcher Bedrängnis befindet, aber ich bin nicht ^ ^im stände zu helfen, da ich mir auf den früheren Feldzügen eine starke Fuß-gicht zugezogen habe und fortwährend leidend bin." Erst nach wiederholtenBitten versprach er, in drei Monaten ein Heer zusammen zu bringen. Undkaum erscholl die Kunde, daß „der Friedländer" wieder werbe, so strömtenvon nah und fern Freiwillige zu seinen Fahnen, und bald standen 40 000Mann unter den Waffen. „Das Heer ist da, nun schickt einen Führer!"schrieb Wallenstein nach Wien. Wiederum begannen die Unterhandlungen;endlich aber verstand sich Wallenstein zur Übernahme des Oberbefehls unterfolgenden Bedingungen: „Der Herzog von Friedland wird Generalissimusdes Kaisers und erhält den Oberbefehl ohne allen Vorbehalt; alle Konfis-kationen, desgleichen alle Begnadigungen hängen ganz allein von ihm ab;ein kaiserliches Erbland wird ihm als Unterpfand künftiger Belohnung ver-schrieben und er nach beendigtem Krieg als Herzog von Mecklenburg wiedereingesetzt." Nachdem der Kaiser alle diese Forderungen bewilligt hatte,führte Wallenstein, im April 1632, sein Heer vor Prag, eroberte es undtrieb die Sachsen aus dem Lande.

Inzwischen drang Gustav Adolf in Baiern ein, nachdem er Tilly beiRain' (15. April 1632) geschlagen hatte, und hielt seinen Einzug in Mün- Rainchen. Wallenstein, der nicht vergessen, daß seine frühereAbsetzung vor allem 1632.das Werk Maximilians gewesen war, blieb lange Zeit taub gegen den Hilfe-ruf des Kurfürsten. Endlich vereinigte er sich unter der Bedingung, daßihm allein der Oberbefehl bliebe, mit demselben bei Eger und zog genNürnberg, wo Gustav Adolf in wohlverschanztem, festem Lager stand. Ihmgegenüber lagerte sich Wallenstein, und elf Wochen lang verharrten beideHeere in ihrer Stellung. Nach einem vergeblichen Sturm zog Gustav Adolfwieder nach der Donau; Wallenstein aber fiel in Sachsen ein und eroberteLeipzig. Auf den Ruf des Kurfürsten eilte Gustav Adolf dem bedrohtenLande zu Hilfe und bezog bei Naumburg ein festes Lager.

Da Wallenstein, der bei Lützen'stand, in so vorgerückter Jahreszeitkeinen Angriff besorgte, so entließ er den Reitergeneral Pappenheim mit xgzz,einem Teile des Heeres zur Einnahme der Moritzburg bei Halle; aber kaumhatte der König dies vernommen, als er sogleich aufbrach und sich demHeere Wallensteins gegenüber lagerte (15. November 1632).

' Breitenseld, sächsisches Dors, 7'/z Kilometer nördlich von Leipzig. — Rain,

Stadt am rechten Ufer des Lech, oberhalb dessen Einmündung in die Donau. (Tillystarb am 30. April 1632 zu Jngolstadt an seinen bei Rain empfangenen Wunden).

— Lutzen, Städtchen, westlich von Leipzig, zwischen Naumburg und Halle, in derProvinz Sachsen.