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Neue Geschichte.
Zwingli u,Luther.
Marburg
1529.
Ausbrei-tung derRefor-mation.
Kappel
1531.
und Zwingli selbst trat am 2. April 1524 in den Stand der heiligen Ehe.
Sein evangelisches Glaubensbekenntnis legte er bald darauf (1525) in demBuch: „von der wahren und falschen Religion" nieder.
Zwingli und Luther stimmten in den meisten Punkten überein; inder Lehre von dem Abendmahle aber wichen sie von einander ab. Zwingligab den Einsetzungs-Worten (Matth. 26, 26 — 28) eine bloß sinnbildlicheAuslegung, während Luther am Buchstaben festhielt. Diesen Streit auszu-gleichen, lud der Landgraf Philipp von Hessen (S. 128 Anm. 3) die beidenReformatoren zu einer Unterredung (1529) nach Marburg' ein. Sieerschienen. Luther schrieb in lateinischer Sprache mit Kreide auf den Tisch:„Das ist mein Leib!" und kam immer auf diesen Satz zurück. Auch Zwingligab nicht nach, und so blieb denn eine Trennung zwischen den Lutheranernund den Anhängern Zwinglis, d. i. den Reformierten.
Was Zwingli von Luther hielt, geht aus seinen Worten hervor, indemer sagt: „Luther ist, als mich bedünkt, so ein trefflicher Streiter Gottes, derda mit großem Ernste die Geschrift durchfündelet (durchforschet), als keinerin tausend Jahren je gewesen ist; (ich achte es hier nicht, daß mich diePäpstler mit ihm einen Ketzer schelten werden), und mit dem männlichen,unbewegten Gemüt, damit er den Papst von Rom angegriffen hat, ist ihmkeiner nie gleich worden, als (so) lang das Papsttum gewähret hat. Wesist aber solche That? Gottes oder Luthers? Frugst' den Luther selbs, weißich wohl, er spricht: „Gottes!"—Auch späterhin äußerte Zwingli mehrmals:
„Es wären keine Leute auf Erden, mit denen er lieber einig sein möchte,als mit den Wittenbcrgern."
3. Die Reformation von Zürich faßte auch in anderen Teilen derSchweiz festen Fuß und fand in Glarus, Basel, Schaffhausen, Appen-zell, Graubünden, besonders aber in Bern freudige Aufnahme. Dieübrigen Kantone dagegen blieben dem alten Kirchenglauben getreu und tratenbald feindselig gegen Zürich auf. Zürich, die Wiege der schweizerischen Re-formation, fühlte sich bedroht und schloß mit Bern ein Schutz- und Trutz-bündnis, in das auch Viel", Mühlhauscn", Basel und St. Gallen aufge-nommen wurden. Sobald diese Bereinigung bekannt wurde, schlössen (1529)Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, in der Geschichte jenerZeit „die füiss Kantone" genannt, ein Gegenbündnis. Man sah, daß der Kampf *
nahte. Nach zwei Jahren (11. Oktober 1,531) kam es bei Kappel" zurSchlacht. Die Züricher wurden von der Übermacht besiegt; auch Zwingli,der unter den Vordersten stritt, wurde durch einen Steinwurf so arg ver-wundet, daß er zu Boden sank. Die Sieger fanden ihn mit zur Erdegekehrtem Gesicht. Umgewendet, ward er aufgefordert, die heilige Jungfrauanzurufen. Wiederholt schüttelte er das Haupt. Mit dem Zuruf: „So stirbdenn, hartnäckiger Ketzer!" empfing er den Todesstreich. Noch an demselbenTage wurde seine Leiche als die eines Ketzers verbrannt.
Aber das Licht, das Zwingli in der Schweiz angezündet hatte, wardvon anderen, die sich nach. ihm gebildet hatten, erhalten und verbreitet, vor-
' Zu Marburg (an der Lahn) war durch denselben Philipp in dem Jahre1527 die erste protestantische Universität errichtet worden.
' Viel, Stadt im Osten des Kanton Bern, am Fuße des Jura. — Wühl-st ausen, Stadt im südlichen Elsaß, von 1798—1871 französisch, jetzt deutsch. —Kappel, Dorf südlich von Zürich.