Band 
Zweiter Kursus.
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England im Neformationszeitalter 1509—1603. 1^1

sein und bestimmte ihn, zur Förderung seiner Genesung ein Landhaus beiEdinburgh zu beziehen. Aber in einer Nacht, in welcher sie ihren krankenGemahl verlassen hatte, um dem Vermählungsfest einer ihrer Kammerfrauenbeizuwohnen, flog das Gebäude in die Luft (1567), und am Morgen fandman den König samt seinem Diener tot in dem Garten. Die öffentlicheStimme bezeichnete Bothwell als den Thäter und die Königin als seine Mit-schuldige. Dennoch war Maria unbesonnen genug, drei Monate nach jenemEreignis sich mit Bothwell zu vermählen. Diese Ehe empörte die Schottenso, daß sie zum Schwert griffen. Bothwell rettete sich durch die Flucht; Mariaaber wurde gefangen genommen und nach dem Schloß Lochlcven^ gebracht.

Allein das Schicksal der jungen Königin erregte bei vielen Schotten Teil-nahme. Ein junger Edelmann (Douglas) entführte sie (1566) aus ihremGefängnisse, und ein Teil des Adels sammelte sich um sie mit den Waffenin der Hand. Doch ihre Anhänger wurden von dem Grafen Moray^, demdie Regentschaft übertragen worden war, geschlagen. Maria selbst floh nach MariasEngland und bat ihre königliche Verwandte, Elisabeth, in einem Briefe Fürcht nachum gastfreie Aufnahme. 1^6«^

Elisabeth geriet dadurch in peinliche Lage; denn die, welche ihre Hilfebegehrte, war ihre gefährlichste Nebenbuhlerin (S. 140). Endlich kam manim Rate der englischen Königin übcrein, die flüchtige Maria gefangen zuhalten, bis ihr Streit mit ihren Unterthanen geschlichtet sei.

Doch auch in England fand die gefangene Königin Freunde, besonders anihren Glaubensgenossen, den Katholiken. Der Herzog von Norfolk entwarf denPlan, sie zu befreien; die Sache ward aber entdeckt, und er büßte sein Vor-haben mit dem Leben (1572). Ebenso unglücklich endigten die Versuche desFranzosen Ballard, des Engländers Babington (1586) und anderer.

Durch diese Verschwörungen wurde die Lage Marias nur verschlimmert.

Denn solche Vorgänge befestigten bei den Protestanten Englands die Meinung,daß das Leben ihrer Königin fort und fort durch die schottische Königin ge-fährdet sei. Elisabeth ward daher genötigt, ein Gericht zusammenzurufen,und dieses sprach über Maria wegen Teilnahme an dem Mord ihres Ge-mahls und wegen der Verschwörung gegen Elisabeth das Todesurteil aus. Verirrtet-Nach langem Schwanken bestätigte diese endlich, gedrängt von dem Parla- ümg.meut und dem Rat der Minister, das Urteil, worauf Maria zu Fothc- Mariasringhay r nach fast neunzehnjähriger Gefangenschaft am 8. Februar 1587 Hinrichtunghingerichtet wurde.

So starb Maria Stuart im 45. Jahre ihres Alters, nachdem sie ihreVergehen durch lange Leiden gebüßt hatte. Ihr Sohn Jakob VI. wardnachmals von der Königin Elisabeth zum Thronerben eingesetzt. Er ist dererste König Englands aus der Familie der Stuart (1603—1714), wäh- Hausrend mit Elisabeth, die im Jahre 1603 starb, das Haus Tudor (S. 126 StuartAnm. 4.) erlosch. Als Herr von England und Schottland nahm er im ^03-1714.Jahre 1604 den Titel: Jakob l-, König von Großbritannien^, an,den seine Nachfolger bis auf unsere Zeit beibehalten haben.

' Edin bürg, Hauptstadt Schottlands. — Lschieben, Schloß 30 Kilometernördlich von Ediiiburg, an dem gleichnamigen See. — Fotheringhay, Dorf mitSchloß (in Ruinen), 100 Kilometer nördlich von London.

* Graf Morast war der Halbbruder Marias und führte die Regentschaft fürderen Sohn, Jakob VI., geboren 1566 aus der Ehe mit Darnley.

° Irland war bereits 1172 durch Heinrich den II. (S. 99 Anm. 1.) mit Eng-land vereinigt worden.