Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

48. Philipp II. von Spanien 1556—1588.Freiheitskampf der Niederlande 1568—1648.

1. Philipp II.; die Niederländer. Margarete von Parma 1559, Kardinal Grau«vella; spanische Truppen und 14 neue Bistümer in den Niederlanden. 2. Wilhelmvon Oranien, Egmont, Hoorn. Abberufung Granvellas 1564. Einführung der„Tridentiner Beschlüsse". Der Kompromiß 1565; Bund der Geusen 1566; Aufstand;Alba nach den Niederlanden; die Auswanderungen. Oranien verläßt die Niederlande.3. Alba in Brüssel 1567; Gefangennahme Egmonts und Hoorns. Der „Blutrat";Hinrichtung Egmonts und Hoorns 1568. Die neuen Abgaben 1572; die Wasscr-genscn. Wilhelm von Oranien Statthalter von Holland, Seeland und Utrecht. Ab-berufung Albas 1573. Die sieben nördlichen Provinzen. Union zu Utrecht 1579.Die Generalstaatcn 1581. Oranien ermordet 1584. Moritz von Oranien. Die Ar-mada 1588. Waffenstillstand 1609. Friede 1648. 4. Vereinigung Portugals mitSpanien 1580—1640. Don Karlos. Philipps Tod 1598.

Philipp II- i. Philipp II., Karl des V. Sohn und Nachfolger in dessen Erb-1556—98. lindern (S. 133), war ein grausamer und argwöhnischer Fürst. Schon seinÄußeres kündete den strengen Gebieter an: er war stets ernst und finster,nie erheiterte ein Lächeln sein düsteres, melancholisches Auge. Von spanischenGeistlichen, die ihn erzogen, war ihm ein glühender Eifer für den Katholi-zismus eingepflanzt worden; in seinem Gewissen hielt er sich für verpflichtet,znr Ausrottung der Ketzer die strengsten Mittel zu ergreifen. Als er zuValladolid ^ der Verbrennung von Protestanten beiwohnte und ihn einer derVerurteilten um Errettung von dem so grausamen Tode bat, erwiderte ermit Ruhe: „Nein, ich selbst trüge Holz herbei, um meinen eigenen Sohn zuverbrennen, wäre er ein solcher Frevler, wie du." Aber gerade seine gewalt-samen Maßregeln gegen die Reformation brachten ihn um eine der schönstenPerlen in seiner Krone, um die Niederlande.

Die Nieder- Die Niederländer waren betriebsame Leute und hatten ihre Lage anländer. j^r Nordsee und mehreren schiffbaren Flüssen benutzt, sich einen gewinnreichenHandel zu schaffen. Durch den Handel war Wohlstand in das Land ge-kommen, und der letztere hatte das Selbstgefühl der Bürger erhöht. Eifer-süchtig wachten sie über die Gerechtsamen und Freiheiten, welche sie nach undnach erworben hatten. Sie ließen sich dieselben bei der Thronbesteigung vonjedem Herrscher bestätigen und vermerkten es Karl dem V. (1506—1556)übel, daß er unter ihnen ohne Fug und Recht ein stehendes Heer hielt. Nochmehr verdroß es sie, daß er die Verbreitung der reformierten Lehre durchblutige Verfolgungen zu hemmen suchte. Im Übrigen bestand jedoch zwischenKarl und seinen niederländischen Unterthanen ein gutes Verhältnis, da er dasVolk durch Freundlichkeit und Ungezwungenheit für sich zu gewinnen wußte.

Nun aber Philipp regierte, hörte solches Einvernehmen auf. Seinspanischer Stolz, sein steifes Benehmen, sein unzugängliches Wesen schrecktedie Niederländer zurück. Sie fingen an, für ihre Verfassung zu fürchten,> ' und fühlten sich besonders dadurch verletzt, daß mehrere der bedeutendsten

Stellen an Spanier vergeben wurden. Am tiefsten aber kränkte sie die Ein-Jnquisition.führung der spanischen Inquisition, durch welche Philipp die neue Lehreauszurotten hoffte. Kundschafter schlichen im Lande umher, um Ketzereien auf-zuspüren und anzuzeigen. Die Anklage eines solchen Spähers genügte, einenfriedlichen Bürger vor das Tribunal zu schleppen. Und entweder mußte erdann im Gefängnisse seine noch übrige Lebenszeit als ein lebendig Begra-

' Valladolid, Stadt nordwestlich von Madrid.