Band 
Zweiter Kursus.
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Philipp II. von Spanien 1556—1S98.

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bener vertrauern oder an den Tagen der großen Verbrennung mit den übrigenSchlachtopfern znm Scheiterhaufen wandern.

Als Philipp nach einem dreijährigen Aufenthalte (1559) die Niederlandeverließ, setzte er seine Halbschwester, Margarete von Parma, eine Frau Margaretevon männlichem Geiste, als Statthaltern! ein. Ihr zugeordnet wurde ein von ParmaStaatsrat, der aus den vornehmsten Gliedern des niederländischen Adels ^ 9 .und mehreren Spaniern bestand. Der einflußreichste unter den letzteren warder Bischof von Arras^, Granvella, ein Mann von ausgezeichnetem Ta- Granvella.lent, aber auch ungebeugter Herrschsucht. Diesen hatte Philipp seiner Schwesterals Ratgeber empfohlen, und zur Unterstützung des Regiments blieben 3—4000Mann spanischer Truppen in den Niederlanden, deren Anwesenheit schon Un-willen erregte. Dieser steigerte sich noch, als der Befehl einging, daß zu denbereits bestehenden vier Bistümern vierzehn neue errichtet und alle unter die NeueLeitung Granvellas, den der Papst zum Kardinal erhoben hatte, gestellt wer- Bistümer,den sollten. Als Urheber dieser Maßregel, welche auf Befestigung des Ka-tholizismus und genaue Handhabung der Ketzcrgesctze berechnet war, wurdeallgemein Granvella bezeichnet. Infolge dessen kamen der Prinz Wilhelm vonOranien und die Grafen Egmout und Hoorn nicht mehr in den Staats-rat. „Sie wollten dort", schrieben sie der Regentin, „nicht mehr bloße Schat-ten vorstellen." Diese Erklärung war von besonderer Bedeutung, weil die,von denen sie ausging, die Spitzen des Adels, wie die Lieblinge des Volkes waren.

2. Wilhelm von Oranien gehörte zu denen, die bei Kaiser Karl dem V. Wilhelmin hoher Gunst gestanden. Er war schon als Knabe* * an den Hof gekommen v. Oranien.und neun Jahre lang um die Person des Kaisers gewesen. Ihm allein wares erlaubt, um den Kaiser zu bleiben, wenn fremde Gesandte Audienz hatten;ein Beweis, daß Oranien frühzeitig schon angefangen, den ruhmvollen Bei-namen „des Verschwiegenen" zu verdienen. Der Kaiser fragte den befähigtenJüngling öfters um Rat, vertraute ihm die wichtigsten Geschäfte an undhatte immer Ursache, mit seinem Lieblinge zufrieden zu sein. Auf ihn stützteer sich, als er in Brüssel jene ergreifende Abschiedsrede (S. 133) hielt.

Mit Karl des V. Tod sank auch das Ansehen Oraniens. Denn Philippschloß alle die von seinem Vertrauen aus, welche von seinem Vater bevor-zugt worden waren. Daher kam es, daß Wilhelm nur die Statthalterschaftenvon Seeland, Utrecht und Holland erhielt, auf die er durch Erbrecht ge-gründete Ansprüche hatte, die Oberstatthalterschaft aber an die HerzoginMargarete von Parma kam. Als Philipp die Niederlande verließ, warWilhelm 26 Jahre alt, aber so weise und erfahren, wie ein Fünfziger. Aufseinem hageren, blassen Gesichte merkte man nie eine Veränderung, und nochweniger als in Mienen verriet er in Worten, was seine feurige Seele be-schäftigte. Hatte er einen Entschluß gefaßt, so führte er ihn unerschütterlichdurch; alle Hindernisse hatten, noch ehe sie eintraten, schon vor seiner Seelegestanden. Dabei war er freigebig und gastfrei.

Noch volkstümlicher war Graf Egmont, der wegen seiner Kriegs- ^thaten b und seines leutseligen Benehmens besonders hochgehalten wurde. M°nt.

> Arras, Stadt im nordöstlichen Frankreich, gehörte bis 1640 zu den Nieder-landen.

* Wilhelm v. Oranien, 1533 auf dem Schloß Dillenburg in der GrafschaftNassau als Sohn des Grafen Wilhelm von Nassau geboren, erbte 1544 von seinemVetter das Fürstentum Oranien (Orange) in der Provence.

° Egmont schlug die Franzosen, welche den Waffenstillstand von Vaucelles