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Neue Geschichte.
Diese beiden blieben also mit dem wackeren Grafen Hoorn aus demStaatsrat weg und bewogen dadurch die Statthaltern:, bei Philipp umAbberufung des Kardinals zu bitten, die auch nach einigem Widerstände(1564) erfolgte.
Mit Granvella waren aber nicht die von ihm vertretenen Ansichten ver-schwunden; die Kctzcrvcrfolgungen blieben nach wie vor, und der König ver-^identiner langte sogar, daß die Beschlüsse des Tridentinischen Konzils (S. 132),eschlüssc. das nach Isjähriger Dauer (1545—1563) eben beendigt war, in den Nieder-landen eingeführt werden sollten. Um den König nachsichtiger zu stimmen,unternahm Egmont eine Reise nach Spanien. Aber Philipp antwortete:„er wolle lieber tausendmal sterben, als die geringste Veränderung in derReligion gestatten", und verschärfte sowohl den Befehl zur Verfolgung derKetzer, als den zur Einführung der Tridentinischen Beschlüsse.
Nun schlössen die Mutigsten des Niederländischen Adels den sogenann-Kompro- ten „Kompromiß" (November 1565), indem sie sich znr Aufrechterhaltungmiß- der Landesrechte verpflichteten. Zugleich wurde die Abfassung einer Bittschriftan die Statthalterin festgesetzt. Am 5. April 1566 zogen die Verbündeten,mehrere hundert an der Zahl, in Brüssel ein und begaben sich am folgendenTage in feierlichem Aufzug, je vier und vier, auf das Schloß, wo sie dieBittschrift überreichten. Die Statthalterin war über den langen Zug be-troffen und entfärbte sich; doch einer ihrer Räte flüsterte ihr auf französischzu: „sie brauche sich vor dem Lumpengesindel (gneux) nicht zu fürchten."Bund der Das hatten die Verbündeten gehört, und um die Schimpfredc zu adeln,Geusen nannten sie sich nun selbst Gueux oder Geusen und trugen als Ehrenzeichen
1566. am Halse eine Schaumünze mit dem Bilde des Königs und der Umschrift:
„Getreu bis zum Bettclsack!"
Margarete berichtete über den Vorfall nach Madrid und befahl denInquisitoren, bis zum Eintreffen der Antwort mit ihrem Verfahren einzu-halten. Das hielten die Evangelischen für einen Sieg: an mehreren Ortenrottete sich der Pöbel zusammen; Kapellen, Klöster und Kirchen wurden er-brochen, die Altäre umgestürzt und die Bildsäulen, Gemälde und Kirchenge-fäße zertrümmert. Am schlimmsten war der Tumult in und um Antwer-pen*, und in drei Tagen zählte man überhaupt mehr als 400 verwüsteteKirchen. Da beschloß Philipp, die empörungssüchtige Nation hart zu bestrafen,Absenkung und schickte 1567 seinen in den Waffen ergrauten Feldherrn Alba mitMbas. Hxcresmacht dahin. Schon vor der Ankunft des gcfürchtetcn Mannes vcr-
Auswan- ließen taufende von Fabrikanten und Kaufleuten das stürmische Vaterland,
deruugcn. Deutschland, England und Frankreich empfingen die Unglücklichen und freutensich ihres befruchtenden Gewerbcfleißes; die Niederlande aber schauten traurigden Ziehenden nach.
. Abreffc Auch Wilhelm von Oralsten rüstete sich zur Abreise; in einem BriefeOraniens. »ahm er Abschied von der Statthalterin und reiste alsbald auf sein Stamm-gut Dillenburg.
Alba in Z. Im August 1567 erschien Alba, des Königs furchtbarer Gcwalt-dfälstl träger, an der Spitze von 10 000 zu jedem Frevel aufgelegten Soldaten inBrüssel. Des Herzogs Vollmachten reichten noch weiter, als die der Statt-
(S. 132 Anm. 2.) gebrochen hatten, bei St. Qucntin (1557) uud bei Gravelingen(1558s und führte dadurch den Frieden von Chateau Cambresis (1559) herbei.
* Antwerpen, Stadt im jetzigen Belgien, am rechten Ufer der Scheide.