Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

verlorene Geschütz wurde durch eingeschmolzene Glocken ersetzt, und als derFrühling des Jahres 1633 anbrach, war das kaiserliche Heer wieder bis auf25 000 Mann angewachsen.

Die Katholiken glaubten von Wollenstem um so entscheidendere Erfolgeerwarten zu dürfen, als sein großer Gegner bei Lützen gefallen und dieDie evan- protestantische Partei seit dem Tode desselben in Auflösung begriffen war.gelische Der Kanzler Oxenstierna, welcher die vormundschaftliche Regierung für^ die sechsjährige Christine, die Tochter Gustav Adolfs, führte, konnte beialler Tüchtigkeit in die protestantischen Angelegenheiten nicht die Kraft undEinheit bringen, welche des Königs überlegener Geist ihnen gegeben hatte.Der Kurfürst von Sachsen hielt es seiner unwürdig, von einem fremden Edel-mann Befehle anzunehmen. Die schwedischen Feldherren Banbr, Torstenson undHorn sowie der Graf Thurn (S. 151) wollten sich dem Herzog von Weimar, denOxenstierna zum Oberbefehlshaber ernannte, nicht unterwerfen. Jeder handeltemit seinem Heere für sich, ohne den anderen zu unterstützen,und alle wichtigerenKriegsunternchmungen wurden durch die gegenseitige Eifersucht gehemmt.Wollenstem Allein Wollensten, entsprach den von ihni gehegten Erwartungen dorth-in Böhmen, aus nicht. Wie ein Neuling saß er, der erprobte Feldherr, ruhig in Böhmen,während der Herzog Bernhard von Weimar und der Graf Horn das Reichals Sieger durchstreiften. Auch suchte er mehr durch Verträge, denn durchdie Waffen zu gewinnen. Er unterhandelte bald mit den Sachsen, bald mitden Schweden und zog nur dann das Schwert, wenn der Kaiser ihn dringenddazu ermähnte. Dies allerdings zweideutige Benehmen wurde von des HerzogsFeinden benutzt, ihn beim Kaiser anzuschwärzen. Schon mit Gustav Adolf,hieß es, habe er einen verdächtigen Briefwechsel gepflogen, und jetzt gehe seinStreben dahin, mit den Protestanten gemeinsame Sache zu machen und sichmit ihrer Hilfe zum König von Böhmen auszuwerfen.

Der Kaiser hatte sich bisher von der Schuld seines Oberfcldherrn nichtüberzeugen können. Als dieser aber den Grafen Thurn, welcher von ihmMißtrauen bei Steinau ^ (18. Oktober 1633) gefangen genommen war, ohne Lösegelddes Kaisers, auf freien Fuß setzte und die Eroberung Ncgensbnrgs (S. 159) durchBernhard von Weimar am 6. November 1633 ruhig geschehen ließ, da schöpfteauch Ferdinand wider ihn Verdacht und befahl, alle Schritte desselbengenau zu überwachen. Dies konnte Wollenstem nicht verborgen bleiben, under suchte nun sich seiner Generale und Obersten für den Fall eines Bruchesmit dem Kaiser zu sichern. Einer seiner Vertrauten, der Feldmarschall Illo,Bankett zu mußte den zu Pilsen^ versammelten Offizieren mitteilen, daß der Herzog vonPilsen. Friedland, um einer zweiten schimpflichen Entlassung zu entgehen, freiwillig seinKommando niederlege. Alsbald wurden vier Offiziere abgeordnet, den Generaldringend zu bitten, daß er die Armee nicht verlassen möchte. Wollenstem erklärte,daß er ihren Vorstellungen nachgäbe und die Anführung noch eine Zeit langbehalten wolle. Dagegen gelobten auch die Offiziere schriftlich dem Herzogewige Treue, so lange er sie zum Dienste des Kaisers gebrauchen werde. Dieser. ' Vertrag ward (12. Januar 1634) während eines Gelages unterzeichnet, bei

dem es ziemlich lebhaft herging. Man sagt, die Trunkenheit der Gäste seidazu benutzt worden, ihnen unversehens ein anderes Blatt unterzuschieben, indem nichts von, kaiserlichen Dienste gestanden und das dennoch unterschriebenworden sei; doch wird die Wahrheit dieser Erzählung bezweifelt.

* Steinau, Stadt an der Oder, unterhalb Breslau. — Pilsen, S. 153 Anm. 1.